19.09.2014

# Rezensionen

[Rezi] Carlos Ruiz Zafón - Der Gefangene des Himmels. Friedhof-der-vergessenen-Bücher, Teil III

Erscheinungsjahr: 2013
Originaltitel: El prisionero del cielo
Genre: Roman
Reihe: Friedhof-der-vergessenen-Bücher-Reihe, Teil III
Seitenzahl: 402


Teaser: Der Tag verlief rege und mit bescheidenen, aber konstanten Verkäufen. Fermín ließ sich keine Gelegenheit entgehen, meinen Vater für den Segen der Krippe und dieses Jesuskindes mit der Statur eines baskischen Gewichthebers zu loben.




Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!

Handlung
Daniel und Bea sind glücklich verheiratet und ihr kleiner Sohn Julián ist gesund und munter. Die Buchhandlung von Daniels Vater Sempere und Söhne läuft zwar nicht blendend, doch die Finanzlage ist grundsätzlich mehr oder weniger stabil. Hinzu kommt, dass Daniels bester Freund Fermín Romero de Torres im Begriff ist, seine geliebte Bernada zu ehelichen. 

Und genau hier tun sich die Probleme auf. Schon seit längerem ist Fermín bedrückt und dieser Zustand verschlimmert sich, je näher das Hochzeitsdatum rückt. Als dann ein merkwürdiger fremder Mann die Buchhandlung betritt und darauf besteht, das teuerste Buch aus dem antiken Buchbestand der Semperes zu kaufen - eine Ausgabe von "Der Graf von Monte Christo" - um diese dann mit einer mysteriösen Widmung für Fermín in der Buchhandlung zu lassen, nimmt Daniel seinen Freund in die Mangel und lässt so lange nicht locker, bis Fermín auspackt und seine gut gehütete Vergangenheit, von der wohlweislich niemand in seinem Umfeld etwas weiß, vor Daniel ausbreitet.

Meine Meinung
Dieser dritte Teil des Zyklus' um den Friedhof der vergessenen Bücher knüpft in einer perfekten Weise an seine beiden Vorgänger an und nimmt den Leser mit in das oftmals düstere aber immer wieder vor Hoffnung strahlende Barcelona der 1940/1950er - Jahre.

Da jeder Teil für sich genommen eine eigenständige und geschlossene Geschichte abgibt, war meine anfängliche Sorge, nicht mehr alle Einzelheiten aus den vorherigen Bänden parat zu haben, völlig unbegründet. Zwar finden sich viele Verweise zueinander in den einzelnen Geschichten, aber auch ohne diese vollständig entschlüsseln zu können, bietet dieses Buch ein wunderbares Lesevergnügen.

Diesmal befassen wir uns näher mit der ungeklärten Vergangenheit des Fermín Romero de Torres, von dem man eigentlich nur weiß, dass dieser Name nicht sein Taufname ist. Dieser Fermín, der Daniel und seinem Vater der beste Freund und Beschützer ist, die wunderbarsten Kettensätze bauen kann und insgesamt eine der raffiniertesten Charaktere ist, von denen ich bisher das Vergnügen hatte zu lesen, erhält hier endlich seinen verdienten Raum, um sich vollständig zu entfalten.

Los geht es dabei wie in einem Deja vu damit, dass ein myteriöser Fremder erscheint, merkwürdige Aussagen von sich gibt und von einem neugierigen Daniel verfolgt wird. So beginnt Daniels Reise der Erkenntnis, die auch am Ende des Buches - nachdem Fermíns Geschichte beendet ist - noch lange nicht aufhört und sicherlich im vierten Teil fortgeführt wird. Auch das gefällt mir sehr gut an dem Buch; obwohl Fermíns Lebensgeschichte, die von Leid, Hass und Willkür der Justiz genauso geprägt ist wie von Selbstlosigkeit und echter Freundschaft, im Fokus steht, bleibt innerhalb der Handlung genug Raum, um auch andere Figuren zu Wort kommen zu lassen. 

Auch wenn ich mich mit meiner Meinung dem allgemeinen Tenor zu Zafóns Werken anschließen muss, kann ich nichts anderes tun, als diesen Schreibstil und die Geschichte als durchweg wunderbar zu bezeichnen. Eine Mischung aus treffenden aber nicht ausgelutschten Metaphern, ausgewählte Sprache und diesen völlig individuellen Geschichten, die dennoch so eng miteinander verwoben sind, begeistern mich jedes Mal aufs Neue. 

In diesem dritten Teil gibt es deutlich weniger Fantasy-Elemente als bei den Vorgängern, aber auch das tut dem Lesegenuss keinen Abbruch. Im Gegenteil ist dieser Teil mehr den je politisch ausgerichtet: die fiesen Elemente kommen nun nicht aus eine magischen, sondern aus einer sehr realen Welt der Diktatur und des institutionalisierten Verbrechens.

Gesamturteil: Großartig. Ich vergebe 5 Wölkchen und eine absolute Leseempfehlung!


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