02.07.2014

# Rezensionen

[Rezi] Gabi Kreslehner - Das Regenmädchen

Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Kriminalroman
Seitenzahl: 295


Teaser:
Wahrscheinlich lag ihre Tasche mit den Papieren noch immer im Auto des Unbekannten, da, wo sie sie achtlos hingeworfen hatte, nachdem sie eingestiegen war, um in die Nacht aufzubrechen. Vielleicht hatte sie auch gar keine Papiere dabeigehabt, nur ein winziges Täschchen mit ein bisschen Schminkzeug drin, da passten keine Papiere mehr hinein.



Handlung
Ein Autounfall mit Todesfolge. Eigentlich kein Job für die Kriminalpolizei, doch es gibt ein paar Dinge, die das ganze nicht wie einen normalen Unfall erscheinen lassen. Erstens sind der Ort und die Zeit eher ungewöhnlich - die Tote ist mitten in der Nacht ein Stück entfernt von einem Rastplatz auf die Autobahn gelaufen und dort von einem Wagern erfasst worden. Außerdem befindet sich am Kopf der jungen Frau eine Wunde, die wahrscheinlich nicht von dem Unfall stammt, sondern die ihr schon vorher beigebracht wurde. Und was ganz besonders stutzig macht: der Unfallfahrer erzählt von einem weiteren Wagen, der auf dem Seitenstreifen stand und direkt nach dem Unfall hektisch davon gefahren ist.
Insgesamt genug Indizien, damit sich die Kriminalpolizei mit dem Fall auseinandersetzt. Also landet er auf dem Schreibtisch von Franza Oberwieser und Felix Herz, die sofort mit den Ermittlungen beginnen.

Meine Meinung
Ein klassisch aufgebauter Kriminalroman mit einem interessanten Setting und ganz netten Figuren - das ist so die Kurzcharakteristik, die ich zu diesem Buch geben kann.

Die beiden Kommissare Oberwieser und Herz sind ein eingespieltes Team. Schon seit Jahren arbeiten sie erfolgreich Seite an Seite und sind auch privat eng befreundet. Da wundert es nicht, dass sie neben dem Fall auch ihre privaten Probleme und Sorgen mehr oder weniger offen miteinander besprechen. Denn davon haben sie auch beide genug.
Vor allem Franza setzte gerade dieser Fall sehr zu. Die Tote ist nur wenig jünger als ihr eigener Sohn Ben, der in seinen 20ern ist und von dem sie schon seit einiger Zeit nichts mehr gehört hat. Der Fall bringt die Kommissarin dazu, ihre eigenen Familienverhältnisse zu hinterfragen und zu reflektieren. Gerade, weil sie sich bei ihrem aktuellen Liebhaber - einem Schauspieler am städtischen Theater - wesentlich wohler und geborgener fühlt, als bei ihrem Mann. Dieser leitet eine Zahnarztpraxis, hat auch schon mindestens einen Seitensprung auf dem Konto und vermutet auch, dass Franza eine Affäre hat. Allerdings verdächtigt er ihren Kollegen Felix.
Dieser hat seinerseits selbst Familienprobleme. Seine Frau wünscht sich eine große Familie und bezieht ihn in die Frage nach der Anzahl der Kinder mal so gar nicht ein. Nach den ersten drei Kindern - die teilweise selbst grade schwierige Phasen durchleben und eigentlich ihren Vater etwas präsenter bräuchten - ist Felix' Frau nun nocheinmal schwanger und Felix fühlt sich von diesem erneuten Familienzuwachs überfordert.

Insgesamt geht bei beiden Figuren die anstrengende, auslaugende Arbeit sehr zu Lasten ihrer Familien und sie kommen langsam in ein Alter - Franza ist um die 40 - wo sie diesen Stress und den emotionalen Druck und vor allem die schweren Schicksale, die hinter den Taten stecken, nicht mehr so leicht verdauen.

Neben diesem Hintergrund der beiden Ermittler geht es natürlich hauptsächlich um das Opfer. Dessen Identität ist schnell geklärt, sodass eine fundierte Ermittlungsarbeit eingeleitet werden kann. Stück für Stück arbeiten sich die beiden durch das Leben der jungen Frau und gehen jeder Spur hinterher. Dabei gibt es ein paar falsche Fährten, aber früher oder später führt doch alles zum letztendlichen Täter, dem man auch als Leser relativ schnell auf die Spur kommen kann.

Der Schreibstil flüssig und gut zu lesen. Der Spannungsbogen schlägt eigentlich nie so richtig aus - die Geschichte entwickelt sich gemächlich und Hinweis für Hinweis wird langsam zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Ausbaufähig ist  auch die Figurendarstellung. Vor allem die Protagonistin Franza hätte besser ausgearbeitet werden und mir mehr Profil versehen werden können, als es der Fall war. Aber auch die restlichen Figuren agieren sehr innerhalb ihrer jeweiligen Funktion und brechen selten aus der Rolle aus, in die sie von Anfang an gedrückt werden.

Alles in allem vergebe ich 3 Wölkchen für einen soliden Kriminalroman, der kein leserisches Highlight darstellt, aber als leichte Sommerlektüre durchaus geeignet ist.

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