26.11.2013

# Rezensionen

[Rezi] Kristin Cashore - Die Beschenkte. Seven Kingdoms Trilogie, Teil I

Erscheinungsjahr: 2009
Originaltitel: Graceling
Genre: (Jugend-)Fantasy
Reihe: Seven Kingdoms Trilogie, Teil I
Seitenzahl: 487


Teaser:
Katsa lag auf dem Rücken und horchte auf das gleichmäßige Atmen der Männer. Auch die Pferde schliefen. Nicht aber Katsa: Nach zweitägigem anstrengendem Ritt und einer schlaflosen Nacht dazischen war sie hellwach.



Handlung
Es gibt in den sieben Köigreichen eine ganz besondere Sorte Menschen. Diese Menschen stechen optisch schonmal hervor, denn sie ihre Augen haben unterschiedliche Farben - und zwar nicht zwingend natürlich vorkommende Farben. Doch was sie viel stärker von der Masse abhebt, sind ihre Fähigkeiten. Jeder Mensch, der zwei verschiedenfarbige Augen hat, besitzt außerdem eine ganz spezielle Fähigkeit, die er meisterlich beherrscht. Diese können harmlos sein, wie etwa einen stark ausgeprägten Fürsorgesinn, sie können übersinnlich sein, wie beispielsweise Gedanken lesen oder sie können todbringend sein. Zur letzten Kategorie zählt Katsas Gabe - sie hat die Fähigkeit, besser und schneller zu kämpfen als mehrere mit Rüstungen und Waffen ausgestattete Männer und vor allem kann sie alles und jeden töten. Deshalb wird sie von den Menschen noch mehr gefürchtet und gemieden als die Beschenkten sowieso schon.

Katsa lebt am Hof König Randas und in seinem Auftrag ist sie sozusagen als Racheengel unterwegs: immer, wenn jemand König Randa verstimmt hat, schickt er Katsa aus, um diese Person gewaltvoll dazu zu bringen, zu tun was der König befiehlt. So sehr Katsa diese Touren auch hasst, sieht sie trotzdem keine Möglichkeit, ihnen zu entgehen. Damit festigt sie ihre Position als gewaltvolle Wilde die von König Randa dressiert ist und mit der kaum jemand etwas zu tun haben will. Einzig ihr Cousin Raffin - Randas Sohn - ist ihr ein guter Freund, der sieht, wie sehr sie teilweise unter ihrer Gabe und der Unfähigkeit, die Gewalt im Zweifel zurückzuhalten, leidet.

Als eine Art Ausgleich hat Katsa mit einigen Vertrauten den sogenannten Rat gegründet - einer geheimen Organisation, deren Mitglieder inkognito reisen und dafür sorgen, dass der auf sehr wackeligen Beinen stehende Frieden in den sieben Königreichen gewahrt bleibt. Ihre aktuelle Mission besteht darin, einen alten Mann aus Lienied, der von einem der sieben Könige entfürt wurde, zu befreien und den Grund für seine Entführung zu erfahren. Im Zuge dieser Befreiungsaktion trifft Katsa auf Bo, den Prinzen von Lienid, der ebenfalls ein Beschenkter ist, im Gegensatz zu ihr aber nicht darunter zu leiden scheint. Der gerettete Mann aus Lienid ist Bos Großvater und so machen sich die beiden gemeinsam auf, um herauszufinden, warum er entführt worden ist.

Meine Meinung
"Die Beschenkte" ist der Auftakt zu einer Trilogie, die ich schon seit Ewigkeiten auf meiner Wunschliste habe. Vor kurzem lief ich dann in der Bibliothek an diesem Buch vorbei und habe das als Schicksalswink betrachtet, endlich mit dem Lesen zu beginnen. Und ich kann sagen: manchmal ist das Schicksal wirklich nett zu mir ;)

Die Protagonistin ist natürlich Katsa, die Beschenkte mit der Fähigkeit zu Töten. Weil ihre Eltern beide tot sind, lebt sie bei ihrem Onkel König Randa am Schlosshof. Als sich ihre Gabe das erste Mal offenbart hat - sie tötete versehentlich ihren Onkel, als dieser ihr zu nahe kam - hat er angefangen, sie systematisch zu seinem Werkzeug aufzubauen. Seit sie ihre Kampfkunst einigermaßen kontrollieren kann, reist sie durch die Länder und quält oder tötet in Randas Auftrag Menschen. Diese Aufgabe behagt ihr in keiner Weise und immer öfter stellt sie Randas Urteilsfähigkeit in Frage. Vor allem, seit sie mit der Arbeit für den Rat begonnen hat und viel mehr die persönlichen Hintergründe ihrer Opfer zu hinterfragen lernt.
Glücklich ist Katsa mit ihrem Leben nicht - sie fühlt sich als ein Spielzeug Randas, das springen muss, wenn er mit den Fingern schnippst, aber ansonsten keinen Funken Liebe oder Anerkennung bekommt - weil sie beides nicht verdient hat. An diese Einsamkeit gewöhnt, hat sie sich eine raue Schale angewöhnt, durch die sie nur sehr wenige Menschen dringen lässt. Ihr Cousin Raffin ist einer dieser Menschen, den von ihm fühlt sie sich akzeptiert. Und was das wichtigste ist: er betrachtet sie nicht als willenlose Tötungsmaschine.

Die Arbeit für den geheimen Rat ist eine Art Gegenpol zu Katsas Aufträge für Randa - dabei kann sie endlich auf ihr Gewissen hören und sich für die Schwachen einsetzten, sie sich nicht selbst helfen können. Es macht sie zufrieden, dass sie ihre destruktive Gabe auch dafür nutzen kann, gute Dinge zu tun.
Bei dieser Arbeit trifft sie auf Bo - er ist mit einer Gabe beschenkt, die Katsas Gabe sehr ähnlich zu sein scheint. Er ist der erste Mensch, der Katsa beim Kampf ebenbürtig ist und die beiden fangen an, gemeinsam zu trainieren. Doch beim kämpferischen Talent enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Bo zieht sich nicht in eine selbstgewählte Isolation zurück, er schämt sich nicht für seine Gabe und er hat keine Angst vor der Ablehnung durch andere Menschen. Alles in allem ist er völlig anders sozialisiert als Katsa und diese Tatsache macht sie gleichermaßen neugierig wie eifersüchtig. Nach und nach baut sich ein vertrautes Verhältnis zwischen den beiden auf und durch Bos Zuspruch erkennt Katsa, dass sie sich nicht von Randa oder ihrem Temperament - das für andere tödlich enden kann, wenn sie die Beherrschung verliert - instrumentalisieren lassen muss. Denn sie zusätzlich zu ihrem Kampftalent auch innere Stärke.

Und Stäke ist auch genau das richtige Stichwort, um Katsa zu charakterisieren. Sie ist eine starke, unabhängige Protagonistin, die aber erst in diese Rolle hineinwachsen muss. Anfangs versucht sie durch ruppiges Auftreten ihre Unsicherheit zu überdecken und es dauert eine ganze Zeit, bis sie sich zu der Person entwickelt, die sie gerne sein möchte. Es ist sehr spannend, diese Entwicklung mitzuverfolgen, die eingebettet ist in eine tolle Story über königlichen Machtmissbrauch und familiäre Konflikte.
Die erste Hälfte schreitet rasant von einem Höhepunkt zum nächsten, während für mich die Spannungskurve in der zweiten Hälfte kontinuierlich abgenommen hat. Da gibt es einige Längen, die den Verlauf unnötig gestreckt haben und teilweise sehr gedehnte Landschaftsbeschreibungen, mit denen ich ja generell einfach nicht so viel anfangen kann. Aber am Ende wartet der Roman nocheinmal mit einer Überraschung auf und entschädigt dadurch wieder ein bisschen für die Langatmigkeit.
Der Schreibstil ist locker-flockig und insgesamt so, wie man es von einem guten Jugendbuch erwartet; nicht zu einfach, um uninterssant zu sein, aber nicht so anspruchsvoll, dass man sich großartig konzentrieren muss beim Lesen.

Was ich auch noch als sehr positiv vermerken muss, ist, dass die Liebesgeschichte, die obligatorischerweise natürlich enthalten ist, nicht so viel Raum einnimmt und weder kitschig, romantisch verklärend noch schmalzig ist. Im Gegenteil - ich fand es mal sehr erfrischend, dass Katsa sich anfangs mit aller Macht dagegen wehrt, diese Liebe zuzulassen, weil sie um ihre Unabhängigkeit füchtet. Vielleicht hat sie ja Twilight gelesen ;D Im Vordergrund steht also nicht irgendeine Liebesbeziehung, sondern die verschiedenen Fähigkeiten der Beschenkten und was diese daraus machen: Gutes oder Schlechtes.
Insgesamt also auf jeden Fall ein schönes Buch, dem ich gerne 4 Wölkchen verleihe und auf dessen Nachfolger ich schon mehr als gespannt bin! :D


1 Kommentar:

  1. Du weckst in mir jetzt direkt die Vorfreude endlich zum dritten Band zu greifen, der hier schon viel zu lange rumliegt... dern ersten Band fand ich ja auch soooo schön und ich mochte die Charaktere und das Setting und überhaupt alles <3 Viel Spaß noch mit der Fortsetzung!

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