04.09.2013

# Rezensionen

[Rezi] Jackson Pearce - Drei Wünsche hast du frei

Erscheinungsjahr: 2010
Originaltitel: As You Wish
Genre: (Jugend-)Fantasy
Reihe: As-You-Wish-Serie, Teil 1
Seitenzahl: 284


Teaser:
Ich seufze wieder und deute mit dem Finger auf sie. Einmal klassischer Teenager-Mädchenwunsch bitte. Meine Herrin schließt die Finger um die Lampe auf ihrem Nachttisch, bereit, sie notfalls nach mir zu werfen.




Handlung
Seit der Trennung von ihrem Freund Lawrence fühlt sich die 16-jährige Viola komplett unsichtbar. Auch nach über sieben Monaten der Trennung hat sie immernoch das Gefühl, einen wichtigen Teil von sich selbst verloren zu haben und das führt unter anderem dazu, dass sie sich innerhalb der Schulgemeinschaft nicht mehr zugehörig fühlen kann. Ihr kommt es so vor, als wäre sie unsichtbar, seit sie nicht mehr "die Freundin von..." ist, sondern nur noch "Viola". Auch die Tatsache, dass Lawrence ihr weiterhin ein guter Kumpel ist, tröstet sie in keiner Weise.
Ihr sehnlicher Wunsch danach, wieder ein Teil von etwas zu sein und dazuzugehören beschört einen Dschinn zu ihr, der ihr drei Wünsche erfüllen soll. Doch das stellt sich als nicht so einfach heraus, denn im Grunde  weiß Viola  gar nicht, welcher konkrete Wunsch sie wirklich in ihrem Inneren glücklich machen würde.

Meine Meinung
Die Idee zu diesem Buch gefällt mir sehr gut. Ich habe bisher eher wenige Geschichten über Dschinns gelesen, aber es war mal eine nette Abwechslung zu den ganzen Vampir-Storys, auch wenn sich der Plot im Prinzip kaum von diesen unterscheidet.
Es ist die typische Ausgangssituation mit dem üblichen Personal: trauriges Teenie-Mädchen mit bestem Kumpel/bester Freundin, ein überirdisches Wesen zum Trösten und die ganze Highschool-Klassengesellschaft, bei der das traurige Teenie-Mädchen so gerne oben in der Hierachie wäre, aber einfach zu talentlos und/oder langweilig ist. Dank des übersinnlichen Wesens entdeckt es aber dann, was eigentlich in ihr steckt und so weiter und so fort.

Was sich nach einem billigen Rezept für schnulzige Fantasy anhört, kann natürlich auch trotz dieses Grundrezepts so originell aufbereitet werden, dass eine lesenswerte Geschichte dabei herauskommt. Immerhin zum Teil ist das der Autorin hier auch gelungen. Der Roman ist abgesehen von ein paar logischen Brüchen der Dschinn-Welt gut durchdacht und schneidet einige Themen an, die ich gerne in Büchern verarbeitet sehe, wenn nicht zu dick aufgetragen wird.

Allem voran ist da die Lawrence-Problematik, die ich mir sogar noch ein bisschen ausgebauter gewünscht hätte. Lawrence macht nämlich nicht aus einer Laune heraus mit Viola Schluss, sondern, weil er festgestellt hat, dass er homosexuell ist und sich nicht länger hinter einer Alibi-Freundin verstecken will. Das ist definitiv eine gute Botschaft, denn auch wenn sexuelle Orientierung egal in welche Richutng oberflächlich im öffentlichen Diskurs weitgehend akzeptiert ist, muss man momentan ja nur einen Blick nach Russland werfen, um zu wissen, wie tief verankert gerade Homophobie immernoch in den Köpfen einiger Menschen ist. Also Pluspunkt. Dieser Grund für die Trennung der beiden ist auch gleichzeitig der Grund dafür, dass Viola Lawrence immernoch als ihren besten Kumpel hat und sich nicht komplett von ihm abkapselt, wie es eigentlich eine normale Reaktion gewesen wäre. Auch wenn offiziell erst nach der Trennung Lawrences Outing stattgefunden hat, hatte Viola doch immer den Verdacht, dass er schwul sein könnte und war deshalb nicht sonderlich überrascht. Was ihrer Verletztheit aber keinen Abbruch getan hat.
Violas Charakter dagegen ist etwas klischeemäßig angelegt und sie bietet eine ganz gute Identifikationsfläche für so ziemlich jedes Mädchen, das schonmal Liebeskummer hatte. Trotzdem ist sie nicht unbedingt langweilig, sondern hat auch ein paar individuelle Züge.
Bei Dschinn bin ich ziemlich zwiegespalten. Es fängt sehr gut mit ihm an, denn er taucht auf und ist erst einmal die Personifikation der schlechten Laune. Weil er nämlich altert, solange er auf der Erde ist, hat er keine Lust, länger als nötig zu bleiben und versucht miesepetrig, Viola dazu zu bringen, ihre Wünsche auszusprechen. Doch weil sie sich weigert und ihn außerdem nicht wie einen Diener, sondern wie einen "normalen" Menschen behandelt, gewöhnt er sich nach ein paar Tagen daran, dass seine Haare wachsen und seine Zellen absterben und fängt sogar an, das Leben auf der Erde und vor allem die Zeit mit Viola zu genießen. Das ist auch in etwas der Punkt, wo aus dem schlagfertigen Motzkoffer ein kleines Weichei wird und mir leicht auf die Nerven zu gehen beginnt.

Die Love-Story, die sich zwischen den beiden unweigerlich entspinnen muss, ist aber dennoch ganz süß. Die Handlung wird abwechslend aus Violas und Dschinns Perspektive erzählt, sodass der Leser immer weiß, was jeweils in den beiden vorgeht. Hier fand ich die Kapitelgestaltung etwas lieblos - ich finde, der Schreibstil hätte je nach Ich-Erzähler wenigstens ein bisschen variieren können, indem sowohl Dschinn als auch Viola ein eigener Sprachstil zugeordent gewesen wäre. Auch ansonsten wurde doch einiges an Potential verschenkt. Obwohl das Buch nur 284 Seiten dünn ist, gibt es einige Längen in der Geschichte und es dauert einige Zeit, bis wir mal weg von Viola Selbstmitleid und hin zu einer aktiven Handlung kommen. Und selbst dann gibt es kaum überraschende Momente, die einen wirklich fesseln.

Insgesamt war das Buch besser, als ich vor dem Lesen erwartet habe. Wenn man Geschichten dieser Art kennt, befindet man sich hier in vertrautem Gewässer und bekommt nichts innovatives oder wirklich originelles geliefert. Vorhersehbar, aber trotzdem ganz schön zu lesen, wenn man leichte Lektüre für zwischendurch sucht.
Eine Anmerkung zur Überstezung muss ich noch machen, denn das ging mir auch gewaltig auf die Nerven: das Wort "ja" scheint im Vokabular des Übersetzers nämlich leider nicht vorzukommen, denn die Figuren sagen ausnahmslos "yeah" statt "ja". Das war mit der Zeit einfach ziemlich albern und ich hoffe inständig, dass es nicht der Versuch einer Pseudo-Jugendsprache war, sondern einer temporären Verwirrung von Übersetzer und Verlag geschuldet ist.
Von mir erhält das Buch noch knappe 3 Wölkchen, weil es meine - zugegebenermaßen sehr niedrige - Erwartung dann doch übertroffen hat und trotz der oberflächlichen Handlung mit ein paar netten Ideen daherkommt.



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