30.08.2013

[Rezi] Sebatian Fitzek - Der Augenjäger

Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Thriller
Reihe: Alina-Gregoriev-Reihe, Teil 2
Seitenzahl: 418


Teaser:
Stoya will mir damit zu verstehen geben, selbst ein Familienmensch zu sein und nicht nur der Chef der Mordkommission. Dass er es nachvollziehen kann, wie ich mich fühle. Vielleicht kann er das sogar tatsächlich, wer weiß?

*Achtung!Spoileralarm!*Achtung!Spoileralarm!*Achtung!Spoileralarm!*

Handlung
Nach den traumatischen Erlebnissen der letzten Wochen ist der Albtraum, in dem sich Alexander Zorbach befindet, immernoch nicht vorbei. Zwar hat er die Zwillinge in letzter Sekunde retten können, doch wie sich herausgestellt hat, ist nicht einer seiner liebsten Kollegen der Serientäter, den die Polizei gesucht hat, sondern er hat auch noch Alexanders Sohn Julian in seiner Gewalt und droht damit, ihn zu töten, sollte Alexander sich nicht augenblicklich selbst erschießen. Und zögert keine Sekunde mit seiner Entscheidung.

Alina, die blinde Physiotherapeutin, die Alexander und die Polizei bei ihrem letzten Fall unterstützt hat, wird derweil wieder in die Ermittlungen zu einer Mordserie herbeigezogen. Wieder geht es um einen Menschen mit krankhafter Fixierung auf die Augen seiner Opfer - es handelt sich um Dr. Suker, einer Koryphäe im Bereich der Augenchirugie, der nach seinen Sprechzeiten Frauen entführt, vergewaltigt und ihnen mit geübter Präzision die Augenlider entfernt. Damit will er ihnen buchstäblich die Augen öffnen für eine Schuld, die die Opfer seiner Meinung nach auf sie geladen haben. Suker bringt die Frauen nicht um, sondern lässt sie nach der Folter frei - doch jede einzelne hat aufgrund der irreparabelenen körperlichen und vor allem seelischen Schäden Selbstmord begangen, bevor sie eine für die Polizei brauchbare Aussage machen konnten. So kommt es, dass Suker kurz davor steht, aus der Untersuchungshaft entlassen werden zu müssen, weil dem Ermittlungsteam die Beweise fehlen, um ihn weiter festzuhalten. Alina soll Suker nun behandeln in der Hoffnung, dabei wieder eine ihrer mysteriösen Visionen zu bekommen, die möglicherweise einen entscheidenden Hinweis liefern können, um Suker zu überführen.
Bei der Behandlung überkommt Alina auch eine Vision und in dieser wird deutlich, dass zwischen Suker - dem Augenjäger - und Frank Lahmann - dem Augensammler, der Alexanders Sohn getötet oder immernoch in seiner Gewalt hat - eine Verbindung besteht. Für Alexander möchte sie den Fall nicht gleich aufgeben, auch wenn es ihr widersteht, sich hineinziehen zu lassen.

Meine Meinung
Als bekennender Fitzek-Fan habe ich es tatsächlich relativ lange ausgehalten, um nach dem spannungsreichen und nervenaufreibenden Showdown am Ende von "Der Augensammler" die Fortsetzung zu lesen. Aber endlich hat es sich ergeben und ich darf nach zwei Tagen durchgehendem Nervenkitzel sagen, dass die Fortsetzung definitiv mit dem ersten Teil mithalten kann.
Die Elemente des Vorgängers werden so wiederaufgenommen, dass man sie zwar wiedererkennt und auch gleich einordnen kann, aber es nicht zur Vorraussetzung wird, den ersten Teil gelesen zu haben, um sich im zweiten Band zurechtzufinden. Der Handlungsstrang, der den Augensammler betrifft, wird fortgeführt auch wenn das Hauptgewicht natürlich auf dem neuen Fall liegt; das fand ich sehr gelungen, denn dadurch erhöht sich das Lesetempo, der Spannungsaufbau und der Thrill-Effekt, für den ich die Fitzek-Bücher so liebe, zusätzlich zum Schreibstil, der genau das sowieso schon auf einem höhen Niveau hervorruft, noch einmal enorm.

Alina und Alexander sind mir als Protagonisten schon im ersten Teil unheimlich ans Herz gewachsen und ich finde vor allem die Figur der Alina richtig toll. Sie ist im Alter von drei Jahren bei einem Unfall erblindet und boxt sich dennoch als toughe Frau durchs Leben, die sich nichts gefallen lässt. Ich schätze mal, ihr Charakter ist so angelegt, dass sie auch ohne diese Behinderung anecken würde, aber durch ihre Blindheit steht das auf einer ganz anderen Ebene. Hier fällt auch wieder auf, wie gründlich der Autor recherchiert hat, um die Situation eines blinden Menschen nachvollziehen zu können - sowohl im Alltag als auch in Extremsituationen.
Zu den anderen Figuren kann ich nicht so viel sagen, ohne gewisse spannungsgeladene Aspekte vorwegzunehmen. Zu Dr. Suker sei noch gesagt, dass ich auf unheimliche Art von der Figur fasziniert war, die als das personifizierte Grauen daherkommt und seine Taten auch wirklich zu reflektieren scheint. Die Problematik, auf logischer Ebene in ein vom Wahnsinn getänktes Hirn schauen zu wollen, um dessen Beweggründe und Handlungen zu verstehen, ist ein großes Thema im Buch und kommt gerade bei Dr. Suker natürlich zum Tragen. Jedenfalls scheint dieser wie der Prototyp eines Killers. Er ist intelligent, skrupellos, und absolut von seiner "Mission" überzeugt.

Außerdem positiv zu vermerken ist - auch hier wieder wie immer - das Fitzek gekonnt mit der Erwartungshaltung seiner Leser spielt und das dieses Mal auch gar nicht auf subtile Weise, sondern richtig mit dem Vorschlaghammer. Nicht nur, dass er den Leser tief in die Abgründe der menschlichen Psyche blicken lässt, er zeigt auch noch auf, wie genau er schon in die Psyche der Leser geschaut hat.
Ich muss allerdings sagen, dass mir dieses Rumgedrehe und Hakenschlagen bei der Erzählweise gerade am Ende etwas zu dick aufgetragen war und deshalb etwas konstruiert gewirkt hat. Beim hundertsten Turn denkt man sich da auch "Jetzt ist aber mal gut".
Insgesamt wieder ein überdurchschnittlich guter Thriller aus der Feder von Sebastian Fitzek, der auf die brutalen Gewaltdarstellungen des ersten Teils ein bisschen verzichtet und dahingehend erträglicher ist, insgesamt aber nicht ganz die Begeisterungsstürme in mir wecken konnte, wie der erste Teil. Trotzdem gibt es immernoch exzellente 4 Wölkchen von mir.


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