16.07.2013

[Rezi] Walter Moers - Rumo & die Wunder im Dunkeln

Erscheinungsjahr: 2003
Reihe: Zamonien-Reihe, Teil III
Genre: Fantasy
Seitenzahl: 693



Teaser:
Du bist einer von diesen Eierköpfen, die lesen können? Kein Wunder, dass du nicht mehr alle Tassen im Schrank hast.





Handlung
Sein Leben bei den Fhernhachen hätte für Rumo nicht angenehmer verlaufen können. Zu jeder Zeit ist eins der freundlichen Wesen da, um sich mit ihm zu beschäftigen, mit ihm zu spielen oder ihn zu füttern. Doch eines Tages wird die Harmonie brutal zerstört und der Wolpertinger-Welpe wird mitsamt seinen Besitzern von den gefürchteten Teufelszyklopen entfürt. Sie werden auf deren Insel gefangengenommen und als lebender Nahrungsvorrat bangen sie zusammen mit Unmengen anderer Gefangener um ihr Leben. Die Fhernhachen werden auch nach und nach gefressen - nur Rumo scheint den Appettit der Zyklopen zunächst nicht zu wecken. Mehr Interesse an ihm dagegen zeigt Smeik die Haifischmade, die ihm viele spannende und informative Geschichten über Zamonien oder das Volk der Wolpertinger erzählt. Rumo selbst befindet sich gerade in einer Wachstumsphase, bildet Gebiss, Sprache und Verstand aus, lernt auf zwei Beinen zu gehen und kann am Ende dafür sorgen, dass der Schrecken, den die Teifelszyklopen überall verbreiten, ein Ende findet. doch das ist nur der Anfang von Rumos Reise, die ihn nicht nur in eine Stadt voller anderer Wolpertinger führt, wo er das Problem mit der Liebe kennen lernt, sondern ihn auch nötigt, in die gefürchtete Untenwelt zu gehen, wo er Wesen trifft, die noch viel schlimmer sind als die Teufelszyklopen.

Meine Meinung
Sehr viel Input bekommt man bei diesem nicht gerade dünnen Buch. Es ist der dritte Teil der bakannten Zamonien-Reihe von Walter Moers und für mich das erste von ihm, was ich gelesen habe. Diese Reihe muss man nämlich nicht zwingend chronologisch lesen, weil sich die Geschichten zwar immer in der selben Welt abspielen, aber die Protagonisten zum Teil wechseln. Wenn ich das richtig verstanden habe.
Jedenfalls wird Walter Moers in meinem Freundeskreis voll gefeiert und da musste ich diese Wissenslücke, noch nie ein Buch von ihm in der Hand gehabt zu haben, natürlich endlich einmal schließen. Und ich muss sagen, das war eine gute Entscheidung.
Die Welt, in die der Leser geschickt wird, ist zwar ziemlich brutal, aber gleichzeitig voller faszinierender phantastischer Elemente, dass das Lesen einfach Spaß macht. Man merkt, wie unglaublich gebildet der Autor sein muss und wie gut er mit Worten umgehen kann, ohne dass man als kleiner dummer Mensch überfordert damit ist. Es gibt so unendlich viele Anspielungen auf verschiedenste Themenbereiche zu entdecken, dass es auch neben der an sich spannenden Handlung noch spannender ist, dieses Buch zu lesen. Mir persönlich hat die Nähe zum mittelalterlichen Heldenepos sehr gefallen; vor allem der Plot im zweiten Teil ist eindeutig davon inspiriert: der Held zieht aus, um durch mutige Taten die Liebe seiner Angebeteten zu gewinnen.
Jetzt ist der Held in diesem Falle natürlich kein Ritter, sondern ein Hund mit zwei kleinen Hörnern vorne am Kopf, der gehen, reden, schreiben und vor allem kämpfen kann. Durch letztere Fähigkeit zeichnet sich das gesamte Volk der Wolpertinger aus und Rumo ist ein Exemplar, der sich selbst aus dieser Reihe exzellenter Kämpfer noch positiv hervorhebt. Dabei hilft ihm wahrscheinlich, dass er nicht allzuviel Zeit mit Nachdenken verschwendet, sondern gerne gleich losstürmt und dabei auf seine Instinkte hört. Damit fährt er auch ziemlich gut, wenn man seine Erfolgsbilanz betrachtet. Und wenn man dann noch vergleichend heranzieht, dass er bei dem Mädchen seines Herzen nicht ansatzweise so souverän ist und entsprechend große Schwierigkeiten dabei hat, sie für sich zu gewinnen, eben weil er in diesem Fall plötzlich anfängt mit dem Nachdenken, ist doch schon alles klar. Der Teil, in dem ihm klar wird, was Mädchen sind, gehört mit zu meinen Lieblingsstellen, weil sie Rumo so schonungslos unbedarft und naiv darstellt, wie er ja auch ist, als er in Wolperting - der Stadt der Wolpertinger (sie sind alle unheimlich kreativ da ;) ) - ankommt. Er ist auf jeden Fall ein äußerst sympatischer Protagonist, aber auch die Nebencharaktere sind sorgfältig ausgearbeitet, haben ein griffiges Profil aber stecken nicht in einer festgeschriebenen Rollenstruktur fest. Mein Liebling ist ja Urs. Erstens hat er den ulkigsten Namen der Welt, zweitens sieht er genau so aus wie er heißt und drittens ist er immer nur am essen. Ich liebe ihn.
Und da kommen wir auch schon zu einem weiteren, genialen Aspekt des Buches: es ist nicht nur gefüllt mit Buchstaben, sondern hat auch eine ganze Reihe, von Walter Moers selbst gemalter, Bilder. Bilder von der Landschaft, von den Leuten, die man so trifft, von irgendwelchen Machienen und so weiter. Total genial ist das. Eigentlich war ich vorher skeptisch, weil ich mir gerne selbst ausmale, wie alles aussieht, aber in diesem Fall passen die Zeichnungen einfach perfekt zu dem Geschriebenen - sie überdecken es nicht, sondern ergänzen es unterstützend.
Abzug bei der Bewertung gibt es nur ganz leicht: erstens wird die Haupterzählung ständig von Nebenerzählungen unterbrochen. Diese sind oft interessant und meistens auch irgendwie von Nutzen für das Verständnis des weiteren Handlungsverlaufs, aber manchmal weist dadurch die Geschichte einfach Längen auf, durch die ich mich ein bisschen durchkämpfen musst. Und zweitens gibt es Punktabzug für diese beständige und detailiert beschriebene Gewalt. Klar, ein bisschen blutrünstig kann es schon sein, aber es gibt einfach so viele Figuren, die quälen und töten einfach weil es ihnen Spaß macht. Das wird zwar durchaus auch problematisiert, gefällt mir persönlich aber einfach nicht. Ich lese nicht gerne etwas über herumspritzende Gehirne.
Aber ansonsten bietet Rumos Geschichte alles, was das Herz begehrt: Action, Spannung, Liebe, Humor, toll gestaltete Figuren, die sich im Verlauf alle mal schmerzhaften Weiterentwicklungen stellen müssen. Das Setting ist in einer für mich bisher nicht gekannten Welt und die Geschichte ist rundum einzigartig. Ich habe das Lesen sehr genossen und vergebe 4 super Wölkchen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen