29.06.2013

# Rezensionen

[Rezi] Mary Hooper - Das außergewöhnliche Leben der Eliza Rose

Erscheinungsjahr: 2006
Originaltitel: The Remarkable Life and Times of Eliza Rose
Genre: (historischer) Jugendroman
Seitenzahl: 432


Teaser:
Jedes Mal, wenn sie sang, kehrte Ruhe im Zelt ein, egal, wie viele Leute gerade anwesend und wie laut sie vorher waren. Eliza dachte sich eine Weise über "das wilde stürmische Meer" aus und wandelte das Gefängnislied leicht ab, in dem sie davon sang, dass sie "weit weit weg von daheim" war, womit sie großen Beifall erntete.



Handlung
Das Leben im London des 17. Jahrhunderts war für ein 15-jähriges Mädchen nicht leicht. Schon gar nicht, wenn es auf eigene Faust dorthin gereist war, um ihren Vater ausfindig zu machen.
In dieser Situation befindet sich Eliza, deren Existenz davon abhängt, dass sie so schnell wie möglich ihrn Vater findet, der als Zimmermann irgendwo in dr Stadt beim Wiederaufbau von einigen durch einen großen Brand zerstörten Gebäuden hilft. Er ist extra aus Elizas Heimat Sormetshire nach London gewandert, weil er dort mir seinen Fähigkeiten gutes Geld verdienen kann. Doch kurz nachdem er abgereist ist, hat Elizas Stiefmutter - ihre Mutter, die erste Frau ihres Vaters, ist schon vor einigen Jahren gestorben - Eliza aus dem Haus wirft, sie enterbt und ihr erklärt, dass sie sich nie wieder blicken lassen soll. Verzweifelt und ihrer Heimat beraubt, macht Eliza sich also auf den Weg, um ihrem Vater davon zu erzählen und ihn zu bitten, dass er seiner Frau befehlen soll, Eliza wieder aufzunehmen.
In London angekommen hat sie kein Geld und kennt keinen Menschen. Sie findet ihren Vater nicht gleich und als sie dann schon halb krnak vor Hunger bei einem Bäcker etwas kleines zu Essen stibitzt, wird sie sofort verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Durch einen glücklichen Zufall wird sie von einer korpulenten und herrischen Frau freigekauft, um von da an für diese zu arbeiten. Doch was genau soll sie für sie tun? Und wo ist ihr Vater?

Meine Meinung
Bei historischen Romanen bin ich ja immer ein bisschen überkritisch, weil ich diese Romantisierung der Vergangenheit, wie sie oftmals in diesem Genre betrieben wird, ganz furchtbar finde.
Dieses Buch schrammt da nochmal knapp an der Grenze vorbei - zwar sind einige Darstellungen ein bisschen verklärt, doch gibt es auch durchaus Schilderungen der unappettitlichen Seiten des Lebens zu besagter Zeit. Vor allem die Situation im Gefängnis kommt vergleichsweise drastisch daher, sodass mir der ein oder andere Ekelschauer über den Rücken lief.

Allerdings finde ich trotzdem, dass einiges an Potential verschenkt wurde.
Eliza wird von der sehr geschäftstüchtigen Ma Gwyn aus dem Gefängnis befreit und ziemlich schnell word klar, dass eben diese mit so ziemlich allem Geld verdient, was illegal ist. Prostitution, Zuhälterei, Bettelei ist da wohl nur die Spitze des Eisbergs. Trotzdem gelingt es Eliza, mehr oder weniger ihre Ehre und Würde zu bewahren und darf in erster Linie mit ihrer Gesangsstimme ihren Beitrag zu Ma Gwyns Haushaltskasse leisten, anstatt ihren Körper zu verkaufen. Doch früher oder später soll das natürlich auch passieren und schon wieder hat Eliza Glück und die Tochter Ma Gwyns - Nelly - rettet sie rechtzeitig. Eliza wird die Gesalschafterin der Frau, die wahrscheinlich die nächste Lieblings-Geliebte des Königs von England wird und ist weiter auf der Suche nach ihrem Vater.
Ohne jetzt weiter auf die Handlung einzugehen - man will ja nicht spoilern - kann ich nur sagen, dass mehrere Problemhandlungen angefangen werden, aber meiner Meinung nach zu keinem ausreflektierten Ende kommen. Im Gefängnis zum Beispiel gibt es eine Reihe von Menschen, die als Strafe für ihre Verbrechen nach Amerika verschifft werden. Das wird so in einem Nebensatz erwähnt und dann nie wieder.
Auch ein heikles Thema: uneheliche Schwangerschaften und der Umgang damit oder auch wie naiven, verliebten Mädchen die große Liebe einschließlich Eheschließung vorgespielt wird und was dann weiter mit diesen Mädchen passiert ist. Meiner Meinung nach interessante Sachen, für die durchaus Raum gewesen wäre. Aber Hooper erschafft doch eine kleine Friede-Freude-Eierkuchen-Welt, in der immer irgendwann ein rettender Mensch auftaucht, der ohne große Nachfragen seine helfende Hand ausstreckt und sich alles zum Guten wendet.
Ab ungefähr der Hälfte ist das Ende der Geschichte und die durchaus gut angesetzte Verwicklungsgeschichte leider sehr vorhersehbar und auch hier fehlt am Schluss das doch ziemlich nötige Infragestellen, das im gesamten Buch ziemlich unauffindbar ist.
Dann hätten wir noch die kleine Liebesgeschichte, die ja niemals fehlen darf. Die hätte meiner Meinung nach (und wenn ich als bekennde Anti-Kitsch-Vertreterin das schon sage) viel mehr Entfaltungsmöglichkeiten gebraucht und wesentlich mehr Platz beanspruchen sollen, um die nötigen Emotionen übertragen zu können. so ist für mich der Funke einfach nicht übergesprungen, und das fand ich sehr schade.

Wenn ich jetzt aber bedenke, dass dieser Roman als Jungendbuch konzipiert ist, der vielleicht junge Leser an dieses Genre heranführen möchte, muss ich doch positiv anmerken, dass er diesen Zweck wahrscheinlich gut erfüllen kann. Wie schon gesagt werden viele relevante Dinge angeschnitten, aber nicht so ausgesaltet, dass es langweilig werden könnte und auch Sprache und Schreibstil sind zwar leicht altertümlich angehaucht, allerdings trotzdem sehr gut verständlich. Die Geschichte basiert im Grunde auf einem interessanten Plot und Eliza ist eine zuckersüße, vielleicht etwas naive Protagonistin. Allgemein sind die Charaktere alles andere als komplex, sondern erfüllen nur brav ihre jeweiligen Rollen, allerdings sind sie in eben diesen liebevoll gestaltet.
Alles in allem ist dieses Buch nichts für den anspruchsvollen Leser, sondern eher eine putzige Geschichte für zwischendurch. 3 Wölkchen von mir.


Kommentare:

  1. Schade, so begeistert klingt das jetzt nicht grade. Vor allem nicht wirklich anspruchsvoll, wie du mehrmals betont hast. Naja, sollte ich mal was ganz Leichtes suchen werde ich vielleicht darauf zurückkommen ;)

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  2. Ich hab mehrere Bücher von Mary Hooper auf meiner WuLi stehen, mal sehen, ob die auch so sind wie dieses oder nicht ^^..

    Aber leichte Kost braucht man ja auch mal :D!

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