03.06.2013

[Rezi] Jenny Downham - Bevor ich sterbe

Erscheinungsjahr: 2009
Originaltitel: Before I Die
Genre: Jugendbuch
Seitenzahl: 315


Teaser:
Ich glaube so ziemlich an das Chaos. Wenn Wünsche wahr würden, täten meine Knochen nicht so weh, als ob jedes Fitzelchen in ihnen verbraucht wäre. Da wäre kein Dunstschleier vor meinen Augen, den ich nicht wegwischen könnte.



Handlung
Vor 4 Jahren wurde bei der damals 12-jährigen Tessa die Diagnose Leukämie gestellt. Seitdem quälte sie sich durch unzählige Chemptherapien und andere Behandlungen, die ihren Körper immer weiter gescwächt haben. Und jetzt, mit 16 Jahren, können die Ärzte ihr und ihrer Familie nur noch wenig bis gar keine Hoffnung mehr geben: der Krebs streut immer wieder aus und zerstört Tessa von innen.
Deshalb versucht sie in ihre letzten Monate ein ganzes Leben zu quetschen - mit Hilfe einer Liste arbeitet sie alle möglichen und unmöglich scheinenden Dinge ab, die sie noch tun möchte. Drogen nehmen. Sex haben. Berühmt sein; um nur einige zu nennen. Ihre Familie und ihre beste Freundin Zoey leiden und leben dabei mit ihr, so gut es eben geht. Aus dem Loch der Resignation aber hilft ihr ganz besonders Adam, ein Typ aus der Nachbarschaft, mit dem sich Tessa anfreundet. Sie genießt seine Gegenwart sehr und vergisst dabei sogar für ein paar Stunden ihre Krankheit. Doch gleichzeitig wehrt sie sich gegen die immer tiefere Bindung, die ihr in dieser hoffnungslosen Zeit aber genau das gibt: Hoffnung. Nur, lohnt es sich zu hoffen, wenn man am Ende nur verlieren kann?

Meine Meinung
Ich weiß schon, warum gewisse Plots nicht oft auf meiner Leseliste stehen. Da lese ich einmal ein Buch über ein krebskrankes Mädchen, finde es nicht mal besonders gut und bin danach trotzdem gleich doppelt geschädigt.
Erstens, weil ich als paranoid und hypochondritisch (ist das ein Wort?^^) veranlagter Mensch die nächsten Wochen hinter jedem blauen Fleck bei mir Leukämie vermuten werde.
Und zweitens, weil das doch alles kein Mensch aushalten kann. Denn was ist der schlimmste aller Zustände? Resignation. Wenn der Tod viel zu früh an die Tür klopft, werden alle metaphysischen Fragen, über die nachzudenken man viel zu faul ist und außerdem lebt man ja noch ewig und kann sich später mit dem (jetzt mal platt gesagt) "Sinn des Lebens" beschäftigen, plötzlich greifbar. Und wenn keine Zeit mehr bleibt, um alle Fragen zu klären und einfach keine Hoffnung auf Besserung da ist, kann man nur resignieren. Oder eben auch nicht, aber das hilft im Endeffekt ja auch nicht weiter. Da weiß ich gar nicht wohin mit der ganzen Tragik. Tragik ist ja ein Wort, das dramatisch inflationär gebraucht wird und deshalb der eigentliche Wortsinn mehr und mehr an Bedeutung verliert und einen ironischen Unterton bekommt. In diesem Zusammenhang meine ich aber das ganze Ausmaß des Wortes, ohne Ironie und ohne Pathos.
Einfach tragisch ist Tessas Geschichte. Man muss kein Genie sein, um sich die Handlung so weit vorstellen zu können. Um das Buch besonders werden zu lassen, braucht es einen sensiblen Zugang und einen passenden Schreibstil. Und genau daran hat es meiner Meinung nach gehapert. Vor allem am letzten Punkt. Sensibilität möchte ich der Autorin in keinem Fall absprechen, denn Tessa und ihre Familie sind gut und nachvollziehbar ausgearbeitete Figuren. Allerdings machen sie kaum eine sichtbare Entwicklung durch - von Tessa und Zoey vielleicht mal abgesehen - und agieren nur in der konstruierten Rollenfunktion. Das fand ich schade, denn da hätte es sicher mehr Potential gegeben.
Tessa als Protagonistin ist sehr schwierig, weil sie nicht richtig greifbar wird. Das wäre eigentlich auch super, weil sie ja als krebskranker Teenie einfach schwer zu fassen sein darf - wegen ihren Ängsten, ihren Schmerzen, ihrer Trauer. Aber auch sie ist so plump in dieser Rolle festgeschrieben, dass es wirklich anstrengend war, ihrer Geschichte zu folgen. Erst auf den letzten 70 Seiten bekommt sie etwas Tiefe und für mich wird das Buch ab diesem Zeitpunkt auch erst ansatzweise lesenswert. Mit dem Schreibstil konnte ich mich trotzdem nicht anfreunden. Eine teilweise wirklich merkwürdige Pseudo-Jugendsprache ist halt einfach nicht so das Gelbe vom Ei.
Die Thematik an sich hat mich aber sehr berührt und die letzten Seiten - am Ende hat sich die Geschichte meiner Meinung nach um 100% gesteigert - waren auch ergreifend. Nur machen ein paar gute Momente nicht den schwachen Anfang wett, weshalb ich für dieses Buch nur 2 kleine Wölkchen vergeben kann.


Kommentare:

  1. Hallooo, ich meld mich auch mal wieder, fühl mich, als hätt ich hier Ewigkeiten nicht mehr kommentiert, aber wahrscheinlich isses nich länger als 'ne Woche her^^

    Du bist da aber sehr objektiv an das Buch rangegangen ;) Ich hab so einige negative Meinungen dazu gelesen, da hat man das Buch so richtig auseinandergelegt und geschimpft! Deshalb werde ich mich da auch nie wieder rantrauen oder gar daran denken, es zu kaufen. Tess war wohl schon immer der Hauptpunkt, weshalb "alle"/ die meisten es nicht so mochten.
    Schade, dass eigentlich nur die letzten Seiten dich erfreuen konnten =/ Die Idee in der Inhaltsangabe fand ich schon immer sehr ansprechend, aber da wurd wohl einfach nix draus gemacht. Wobei andere Bücher von ihr schon öfters besser bewertet wurden, oder irre ich mich da?

    Übrigens, hast du des Spiel gestern gegen die USA gesehen? Das war ja mal ein Fail^^ Alle meine Freunde ham's gar nich geguckt, deshalb konnte ich mich bei denen gar nicht aufregen, wobei wenn du's auch nicht gesehen hast, dann kann ich nur sagen, dir ist was erspart geblieben =D
    Liebste Grüße,
    L E Y

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  2. Es sieht aus, als würdest du hier den meisten Bloggern aus der Seele sprechen :D. Ich glaube kaum einer konnte das Buch leiden und ich konnte mich auch noch nicht dazu bewegen, es endlich auszulesen.

    Wenn du mal ein wirklich gutes, bewegendes, lustiges, philosphisches Krebsbuch lesen willst, nimm "Das Schicksal ist ein mieser Verräter"!!!
    Es ist tooool ♥.

    LG ;D
    Charlie

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  3. Soll ich dir ein Geheimnis verraten? Ich habe dieses Buch gekauft, an einem Abend gelesen... und am nächsten Tag umgetauscht :D Soetwas habe ich noch nie gemacht, aber mir ging es mit dem Buch wie dir. Das war vor meiner Bloggerzeit, daher habe ich keine Rezi dazu geschrieben... aber sie wäre wohl ähnlich wie deine ausgefallen :D

    Liebe Grüße
    Jacy

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