06.05.2013

# Rezensionen

[Rezi] Emily Brontë - Sturmhöhe

Erscheinungsjahr: 1962 (Erstausgabe: 1847)
Originaltitel: Wuthering Heights
Genre: Klassiker
Seitenzahl: 352


Teaser:
Ich wollte nur sagen, daß der Himmel nicht meine Heimat zu sein schien; ich habe mir fast das Herz aus dem Leibe geweint, daß ich wieder zurück auf die Erde käme, und die Engel waren so böse, daß sie  mich zuletzt hinauswarfen, mitten in die Heide, an der höchsten Stelle von Wuthering Heights.



Handlung
Im Hochmoor Yokshires lebt die Familie Earnshaw auf dem Gut Wuthering Heights. Ziemlich weit von der nächsten Stadt entfernt sind die einzigen Nachbarn die Mitglieder der Familie Linton, deren Anwesen Thrushcross Grange trotzdem immernoch ein gutes Stück Richtung Tal gelegen ist.
Die finanziellen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Familie Linton sind einwandfrei, während sich auf Wuthering Height schon langsam der Verfall ankündigt. Mr. Earnshaw bringt von einer Geschäftsreise nach Liverpool einen kleinen, verwahrlosten Jungen mit, den er in die Familie aufnimmt. Niemand weiß, wer seine Eltern sind oder wo er herkommt, aber die Haushälterin Mrs. Dean übernimmt bereitwillig Heathcliffs Pflege. Auch von Cahterine, der Tochter von Mr. Earnshaw, wird er sofort akzeptiert und mit den Jahren entsteht eine tiefe Verbundenheit zwischen den beiden. Hindley, Catherines Bruder, dagegen fühlt sich von Anfang an bedroht von dem neuen Lieblingskind seines Vaters und lässt keine Gelegenheit aus, ihn bloßzustellen. Als Mr. Earnshaw stirbt und Hindley der neue Herr von Wuthering Heights wird, degradiert er Heathcliff zum Hilfsarbeiter und setzt ihn immer weiter herab. Er verspielt und vertrinkt das meiste seines Geldes, sodass Catherine trotz ihrer Liebe zu Heathcliff relativ zügig Edgar Linton heiratet, um eine gesicherte und finanziell abgestützte Zukunft zu haben.

Meine Meinung
Alles sehr merkwürdig. Dieser Satz fasst meine Gedanken zu dem Buch wohl am besten zusammen.
Die obige Inhaltangabe ist extrem unvollständig und nur gut für einen groben Überblick. Viele Personen habe ich dabei wegrationalisiert, weil das ganze ansonsten eher verwirrend wäre. Es herrschen nämlich nicht nur extrem chaotische Verwandtschaftsverhältnisse - nein, die Menschen tragen auch alle die gleichen Namen. Da wird für die nächste Generation dann der Vor- als Nachname gebraucht und umgekehrt, allerdings trägt das nich gerade zur Transparenz der Geschichte bei.
Erzählt werden die Geschehnisse dreier Generationen Earnshaws und Lintons. Die alte Haushälterin von Wuthering Heights Mrs Dean erzählt rückblickend im Tagebuch-Stil, was sich über Jahrzente hinweg zugetragen hat. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist die Beziehung zwischen Heathcliff und Catherine, die von vorneherein unter keinem guten Stern steht und immer mehr Qual als Freude ist. Beide können sie nicht voneinander lassen und haben einen Hang zum Drama, sodass immer irgendjemand fürchterlich deprimiert ist. Das läuft dann darauf hinaus, dass alle Beteiligten - denn es werden immer noch andere reingezogen in die Konflikte, die sich aus dieser Liebe ergeben - verbittert und verzweifelt sind. Verwarlost und verroht sind zumindest die Bewohner von Wuthering Heights sowieso schon, aber die beiden nehmen den Familien jede Chance auf eine Entwicklung zum Besseren.
Sowieso scheinen mir sowohl Heatcliff als auch Catherine sehr labile Persönlichkeiten zu sein, die einen guten Psychiater mehr als nötig hätten. Deshalb verstehen sie sich auch so gut - ihre Psychosen sind sich sehr ähnlich. Heathcliffs Einstellung kann man vielleicht noch verstehen, wenn man bedenkt, mit wie wenig Liebe er aufwachsen musste. Durch die Eifersucht von Hindley musste er sich in der Familie Earnshaw immer wie eine Art Eindringling vorkommen und konnte nie wirklich Wurzeln schlagen. Im krassen Gegensatz dazu steht die Art, wie Cathy ihn behandelt hat und deshalb ist seine absolute Fixierung auf sie noch irgendwo nachvollziehbar.
Cathy selbst dagegen hätte die Position, ihre Liebe zu realisieren und Heathcliff zu heiraten; tut es aber aus Angst vor einem sozialen Abstieg nicht. Aber anstatt dann damit zu leben, quält sie ihn, sich und ihren Mann einschließlich dessen Familie, weil sie nicht von ihm loskommt. Zusätzlich sind Heathcliff und Catherine total launisch, herrisch und egoistisch. Sogar in ihrer Liebe denken sie immer nur an sich und steigern sich beide so darin hinein, dass es schon eine regelrechte Besessenheit ist.
Aber um nicht die ganze Zeit nur auf den beiden rumzuhacken noch ein paar kurze Worte zum Buch allgemein: Ich fand die Geschichte sehr spannend, weil man auf Grund der Charaktereigenschaften der Figuren (die, wenn ich ehrlich bin, eigentlich außnahmslos alle einen an der Waffel haben) niemals weiß, wer als nächstes eine irrationale Handlung durchführt und wie die anderen darauf reagieren. Der Schreibstil ist so, wie man es von englischen Klassikern halt kennt: lieber zu viele Worte als zu wenige, sehr blumige Sprache und viele Emotionen. Auch ohne Identifikationsfigur war das Buch angenehm zu lesen und bekommt deshalb 4 Wölkchen von mir.


Kommentare:

  1. Hm, nach deiner Rezension bin ich mir aber nicht so sicher, ob ich das Buch tatsächlich noch lesen werden. Nachdem mich Jane Eyre so begeistert hat, dachte ich zunächst auch daran, mir "Sturmhöhe" zu kaufen, aber irgendwie hat es mich bisher nicht vollkommen überzeugen können. Schwierig, schwierig.

    Ich denke jedoch, dass zunächst andere Bücher von meinem Wunschzettel ins Bücherregal wandern werden. Hattest du Jane Eyre denn ebenfalls gelesen? Falls ja, würde mich mal deine Vergleichs-Meinung interessieren.

    Liebe Grüße,
    Patricia

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  2. Ich hab von dem Buch, zu meiner Schande, erst in der Biss Reihe gehört, als Bella erzählt, dass es ihr Lieblingsbuch ist. Mehr als ihre Beschreibung hab ich bis jetzt also nicht besessen^^

    Aber deine Rezi sagt schon sehr viel mehr! Diese Charakterprobleme sind ja mal krass o.O Stellt sich die Frage, wie man auf solche Persönlichkeiten kommt.......jedenfalls find ich die Geschichte trotzdessen unglaublich interessant und werd es mir ganz klar mal merken, auch wenn ich denke, dass ich Zeit für das Teil bräuchte - leider hab ich die grad nich :/
    ____________________________
    Ich in der falschen Fan-Ecke? Püüü! Na, aber so garnich :P Ist echt witzig, sich mit dir zu kabbeln^^
    Ein direktes total fixiertes Fußball-Fangirl bin ich dann doch wieder nicht, aber ich in meiner Grundschulzeit sogar mal in 'nem Verein und später dann immer mit den Jungs in der Pause gespielt....sportlich bin ich bis jetzt noch, hab aber auf Volleyball gewechselt ;) Jedenfalls, ich liebe es immernoch sich über Fußball-Taktiken und Vereine auszutauschen. Und weil ich ja in München ist es wohl Geburts-Verpflichtung (im Gegensatz zum Geburts-Recht^^) FCB eher als andere zu unterstützen. =D So ganz für die bin ich jedoch nicht, sind mir alle viel zu eingebildet da, deshalb find ich den Klopp eben so super xD
    Ein deutsches Finale in der CL ist echt mal was! Merkt man ja schon jahrelang, dass der deutsche Fußball die Oberhand übernimmt, höhö. Ich bin auch schon ganz gespannt, wie's laufen wird, werde wohl doch eher die Bayern unterstützen ;D Lahm und Müller hab ich einfach so lieb^^ Allerdings spielt Hummels spitzenklasse! Jaaa, das wird mal 'n Event....

    Liebste Grüße und ich glaube, das war schon wieder so ein ellenlanger Kommi :D
    L E Y

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  3. Deine Rezi habe ich schon vor ein paar Tagen im Bus gelesen (mit dem Smartphone), jetzt schaffe ich es auch endlich ein Kommentar dazulassen! Zunächst war ich sehr überrascht, dass das Buch "nur" 352 Seiten hat. Irgendwie war ich bisher immer der Meinung es hätte mehr Seiten o.o
    Obwohl die Rezi jetzt ja nicht so positiv ausgefallen ist, hast du mich doch damit neugierig gemacht.
    "Jane Eyre" hatte mir sehr gut gefallen und auch wenn das Buch ihrer Schwester wohl nicht daran anknüpfen kann, klingt es sehr...eigensinnig.(Vllt. reizt es mich wegen der labilen Persönlichkeiten?)

    LG Anni

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  4. 4 Wölcken ist ja noch ziemlich gut! Ich habe das Buch, wie vielleicht bereits erwähnt, nie zuende geschafft. Ich bin nämlich auch der Ansicht, dass Catherine udn Heathcliff beide mal zum Seelenklempner gehen und nicht alle ihre Mitmenschen in den Wahnsinn treiben sollten.
    Wahrscheinlich bin ich ein Leser, der wenigstens irgendeine sympathische Figur braucht ^^.
    Obwohl... ich mag die Bösen ja eigentlich, aber ich will sie auch verstehen und nicht einfahc nur für verrückt erklären können!

    Jane Eyre liegt mir da eher ;).
    Und Jane Austen natürlich!

    Liebe Grüße
    Charlie

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