01.04.2013

# Rezensionen

[Rezi] G. E. Lessing - Emilia Galotti

Erscheinungsjahr: 2001 (Erstausgabe: 1772)
Genre: Drama
Seitenzahl: 87



Teaser:
Gleichgültigkeit an die Stelle der Liebe? - Das heißt Nichts an die Stelle von Etwas. Dann lernen sie, nachplauderndes Hofmännchen, lernen sie von einem Weibe, dass Gleichgültigkeit ein leere Wort, ein bloßer Schall ist, dem gsr nichts, gar nichts entspricht!




Handlung
Emilia Galotti steht kurz vor ihrer Hochzeit mit dem Grafen Appiani. Diese Hochzeit entspricht nicht den gesellschaftlichen Regeln, denn Emilia ist von zu niederem Stand, um eine passende Ehefrau für den Grafen zu sein. Trotzdem will er sie zur Frau nehmen und damit sein Ansehen in der gehobenen Gesellschaft aufs Speil setzten. Der Prinz von Guastella hingegen ist ebenfalls der Schönheit und dem Liebreiz von Emilia erlegen - allerdings will dieser sie nicht heiraten, sondern nur die Hochzeit mit dem Grafen verhindern, um Emilia dann ungehindert zu seiner Geliebten machen zu können. Deshalb beauftragt er seinen Vertrauten Marinelli, die Heirat zu sabotieren und Emilia zu seinem Lustschloss zu bringen. Emilias Eltern ahnen die Intrige, wohingegen Emilia selbst zu naiv und unwissend scheint, um das Spiel um sie herum zu durchschauen.

Meine Meinung
Der Prinz hat es schon nicht leicht. Neben dem ganzen Politikergedöns, mit dem er sich herumschlagen muss, langweilt ihn auch noch seine Geliebte, die Gräfin Orsina. Dann lernt er Emilia Galotti auf einer Abendgesellschaft kennen und sieht in ihr die Lösung für all seinen Unmut. Bei einem zweiten Treffen in der Kirche flüstert er ihr ein paar Dinge ins Ohr, die sie vor Scham erröten lassen - aber gleichzeitig auch irgendwie beeindrucken. Emilia als die Unschlud in Person ist ganz verwirrt von den Schmeicheleien des Prinzen und weiß gar nicht, was sie denken soll. Am liebsten würde sie schnell ihren Grafen heiraten, damit alles geklärt ist, aber das weiß der Prinz zu verhindern. Gleichzeitig muss er noch Emilias Eltern besänftigen und Gräfin Orsina loswerden. Mit Unterstützung seines treuen Dieners Marinelli scheinen seine Bemühungen tatsächlich Früchte zu tragen, bis der Zufall? das Schicksal? oder was auch immer der Geschichte eine tragische Wendung gibt, Emilia zu verstehen beginnt und mit ihrem Vater alles dafür tut, um ihre Reinheit und die Familienehre zu bewahren.
In diesem Drama stehen nicht nur die adeligen Weetvorstellungen auf dme Prüfstand, sondern genauso die gutbürgerliche Weltanschauung. Diese beiden Lager stehen sich gegenüber und mitten drin befindet sich Emilia, die weder einen eigenen Willen entwickelt hat, noch eignverantwortliche Entscheidungen treffen kann. Mir ging sie ja ein bisschen auf die Nerven, die Kleine, mit ihrer Art, sich von jedem bevormunden zu lassen, der gerade vor ihr auftaucht. Ihre Mutter ist im Prinzip die einzige Person, die von Anfang an die Zusammenhänge durchschaut. Emilia versucht auch, ihre Ratschläge anzunehmen, lässt sich aber nur allzuleicht von den süßen Worten des Prinzen bequatschen. Als dann Graf Appiani ermordet wird, sieht ihre Mutter sofort klar und versucht, ihre Tochter dem Prinzen zu entreißen. Natürlich ist das nicht so einfach, denn immerhin ist er der Prinz.
Für heutige Wertvorstellungen wirken die Handlungsweisen der Charaktere absolut nicht nachvollziehbar. Man kann sich kaum vorstellen, wie ein so unmündiges Wesen wie Emilia ihr Leben meistern soll. Zur Entstehungszeit des Stückes, als Kant und viele weitere Philosophen der Aufklärung gerade immer größeren Anklang bei breiten Schichten der Bevölkerung fand, war diese zugespitzte Geschichte wahrscheinlich ein mehr oder weniger großer Skandal, weil sie alle die bis dato beiden etablierten Normsysteme kritisierte.
Vom Stil her kann man denke ich, die meisten Worte intuitiv gut verstehen, auch wenn sie in einer altertümlichen Sprache verfasst wurden. Wenn nicht, sind ja in alter Reclam-Manier viele Anmerkungen im Anhang, sodass kaum Fragen offen bleiben sollten. 3 Wölkchen bekommt dieser Klassiker von mir.



1 Kommentar:

  1. Hm, eine nervige Protagonistin hört sich nicht gerade nach dem an, was ich unbedingt im Deutsch Grundkurs 1. Semester lesen will :/
    Leider ist aber genau dieses Stück mein Thema in ein paar Monaten :P.
    Ich bin schon gespannt ^^.

    Liebe Grüße und frohe Ostern (noch ist ja Ostern ^^)
    Charlie

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