14.03.2013

# Rezensionen

[Rezi] William Shakespeare - MacBeth

Erscheinungsjahr: 2005 (Erstausgabe: 1623)
Originaltitel: The Tragedy of Macbeth
Genre: Drama
Seitenzahl: 96

Teaser: 
"Müssen denn alle aufgehängt werden, die schwören und es nicht halten?" - "Jawohl." - "Wer muss sie denn aufhängen?" - "Nun, die ehrlichen Leute" - "Dann sind die, welche schwören und es nicht halten, rechte Narren; denn ihrer sind so viele, daß sie die ehrlichen Leute schlagen könnten und aufhängen dazu."



Handlung
Alles beginnt mit der Prophezeiung dreier Hexen, die besagt, dass MacBeth bald nicht nur einen weiteren Adelstitel erhalten wird, sondern kurz darauf sogar zum König von Schottland gekrönt werden soll. Der erfolgreiche Feldherr des Königs, dessen Platz er laut den Hexen einnehmen soll, glaubt zunächst nicht an die Prophezeiung. Als sich dann aber herausstellt, dass der Thane von Cawdor Verrat am Königshaus begangen und die gegnerische Seite im Kampf unterstützt hat, wird dieser seines Amtes enthoben, hingerichtet und MacBeth wird dieser Titel verliehen. Plötzlich erscheint ihm die Weissagung der Hexen gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Allerdings stört ihn der letzte Teil, welcher besagt, dass zwar MacBeth König wird; Banquo aber, der ebenfalls ein treuer schottischer Gefolgsmann ist, der Vater der nächsten Königsgenerationen wird. So schmiedet MacBeth - unterstützt von seiner Ehefrau - Pläne, um die Macht an sich zu reißen und diese auch langfristig zu sichern. Dabei wird er zum Mörder und dann zu einem fast blutrünstigen Herrscher, der im Machtrausch immer mehr Verbrechen begeht.

Meine Meinung
Gerade bei Werken von Shakespeare finde ich es immer am besten, eine zweisprachige Ausgabe vor sich zu haben, damit man das Sprachgefühl der Originalausgabe entnimmt und der Inhalt dank der Übersetzung daneben nicht auf der Strecke bleibt. Jetzt ist diese Ausgabe leider keine solche und mir hat der englische Teil sehr gefehlt.
Nichts desto trotz habe ich die Lektüre genossen. Die ersten beiden Akte zogen sich ein bisschen dahin, aber als es dann ans Eingemachte ging, wurde es richtig spannend. Meistens habe ich ja Probleme bei Dramen so wirklich in die Geschichte einzutauchen, weil ich eine auf die Gespräche reduzierte Geschichte einfach schwerer zugänglich finde, aber hier fiel mir das überraschend leicht. Wahrscheinlich, weil nach der Krönung MacBeths ein blutiger Mord dem nächsten folgte und ich einfach ganz dringend wissen musste, wie es ausgeht.
In dem Stück geht es unter anderem darum, wie Macht und Machtgier einen Menschen verändern können und zu welchen Taten diese Menschen fähig sind, um ihre Macht zu vermehren. MacBeth ist für mich ein eigentlich gewissenhafter Mensch, der durch ...ja durch was? Die Hexen? Seine nicht vollständig gefestigte Moral? auf die falsche Spur gerät. Und nach dem ersten fatalen Schritt den Absprung nicht mehr schafft. Dabei schwingen die Gewissensbisse immer mit - die langen Monologe, durch die sich das Stück wirklich auszeichnet - verdeutlichen das. Geschürt werden diese Gedanken, die gegen Ende schon fast an Paranoia grenzen und ihn zu immer weiteren Schreckenstaten verleiten, von seiner Frau. Lady MacBeth stiftet ihn zu dem Mord am König geradezu an, weil sie gleich Feuer und Flamme von der Prophezeiung der Hexen ist und sie unbedingt erfüllt sehen will. Skrupel äußert sie im Gegensatz zu ihrem Mann anfangs keine, aber die Schuld am Tod eines Menschen - und den folgenden - lastet auch auf ihr.
Auch die Nebenfiguren spielen eine wichtige Rolle und treiben die Handlung voran. Banquo, der später ebenfalls sein Leben zugunsten der Machtbestrebungen von MacBeth lassen muss, entwickelt sich schnell zu einem von mehreren Gegenfiguren des Protagonisten. Er stellt als einer von wenigen MacBeths Geschichte zum Tod des Königs in Frage. Es ist also nicht nur Gier nach Macht, die MacBeth dazu veranlasst, Banquo beseitegen zu lassen, sondern auch die Gefahr der Enttarnung, die von ihm ausgeht.
So richtig verstanden habe ich eigentlich nur eins nicht: warum erscheinen die Hexen eigentlich vor MacBeth? Falls es dazu eine Erklärung gibt, habe ich sie überlesen. Die Prophezeiung erfüllt sich jedenfalls. Doch ob es wirklich Schicksal war oder an MacBeths Eigeninitiative gelegen hat - wer weiß? Diese Frage bleibt am Ende der Lektüre im Raum stehen: inwiefern hat der Mensch Einfluss auf den Verlauf seines Lebens? Gibt es ein Schicksal? Und wenn ja: warum wird es immer von drei Hexen verkündet?
Alles philosophisch hochinteressante Fragen, die wohl nie wirklich geklärt werden. Wie so vieles in der Philosophie. Klar ist allerdings, dass dieses Buch von mir 3 Wölkchen erhält.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen