20.03.2013

# Rezensionen

[Rezi] Nina Blazon - Ascheherz

Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Fantasy
Seitenzahl: 541



Teaser:
In ihren eigenen Ohren hörte sie sich unnötig laut an, grob. Das Unbegreiflichste an dieser Situation war, dass sie seine Nähe trotz allem nicht länger als Bedrohung empfand.





Handlung
Ohne Gedächtnis aber dafür mit furchtbar erschreckenden Alpträumen versucht Summer sich so gut wie möglich durchzuschlagen. Einem inneren Drang folgend ist sie immer auf der Flucht - vor Nähe, engen zwischenmenschlichen Beziehungen und vor allem vor dem Blutmann. Dieser ist ein wesentlicher Bestandteil ihrer Alpträume, doch instinktiv weiß Summer, dass er keine Traumgestalt ist, sondern auch in der Realität hinter ihr her ist. Sie ist eine sehr gute Schauspielerin und hat deshalb eine Rolle in einem ganz besonderen Schauspiel. Daher hat sie auch ihren Namen; ihre Rolle trägt ihn und weil sie ihren eignen nicht kennt und sowieso in jeder Stadt einen neuen Namen annimmt, um nicht so leicht verfolgbar zu sein, hat sie ihn einfach übernommen. Zum ersten Mal seit sie sich erinnern kann, hat sie in der Theatergruppe so etwas wie eine Familie gefunden und beginnt langsam, sich zu öffnen, als ihr der Blutmann plötzlich auf den Fersen ist, das Theater niederbrennt und Summer wieder dazu zwingt, ihre aufgabute Identität hinter sich zu lassen. Behilflich bei ihrer Flucht ist der seltsam verschlossene Anzej, der plötzlich an ihrer Seite erschienen ist und sie unbedingt ins Nordland bringen möchte. Weil sie dort seiner Meinung nach sicher ist. In seiner Gegenwart kehren immer mehr Bruchstücke von Summers Erinnerung zurück, doch noch kann sie die Puzzelteile nicht zu einem logischen Gesamtbild verknüpfen.

Meine Meinung
In "Ascheherz" befinden wir uns wieder in der Welt von Faunblut, allerdings ohne, dass die Geschichten miteinander verknüpft sind. Ein paar bekannte Figuren treten trotzdem auf und weil ich das nicht wusste, habe ich mich über dieses unverhoffte Wiedersehen sehr gefreut. Zeitlich ist die Geschichte einige Jahre nach den Ereignissen in Faunblut angesetzt und gibt im Prinzip der Geschichte von und um Lady Mar - also quasi der bösen Seite in Faunblut - Raum zur Entfaltung und zur Erklärung.
Nichts desto trotz ist Summer die Protagonistin Einen großen Teil der Geschichte verbringt sie damit, ihre eigentliche Identiät herauszufinden. Eigentlich würde sie Anfangs lieber ganz vor ihrer Vergangenheit davonlaufen, denn der Tod scheint damit untrennbar verbunden zu sein; und zwar in Gestalt des Blutmanns, der Summers Leben grausam beenden will.  Doch natürlich gelingt ihr diese Flucht nicht. Zusammen mit Azej, dem sie seltsamerweise zu 100% vertraut, segelt sie ins Nordland. Dort herrscht Krieg zwischen Lady Mar, die auch Lady Tod genannt wird, und Lord Teremes. Für letzteren werden Unmengen an Rekruten angeworben und ins Nordland verschifft, denn er verfeuert seine Soldaten ziemlich schnell. Kein Wunder, denn seine Gegnerin ist kein gewöhnlicher Mensch.
Über den Inhalt möchte ich gar nicht mehr sagen, damit ich die Spannung hier nicht zerstöre. Den die ist gerade am Anfang des Buches sehr wertvoll, weil Mangelware. Mir ist der Einstieg in die Geschichte deshalb auch sehr schwer gefallen, weil man einfach so hineingeworfen wird. Null Infos zu den Umständen dieser Welt, in der Summer lebt und vor allem wirklich nichts zu ihr selbst. Summer weiß am Anfang mehr als der Leser und dieses Wissen wird immer angedeutet aber nie ausgesprochen. Das ging mir ziemlich auf die Nerven, weil dadurch der Zugang zur Protagonistin erschwert wurde. Wie soll man sich denn mit jemandem identifizieren, dessen Handlungen man nicht mal ansatzweise nachvollziehen kann? In den ersten Kapiteln bleibt Summer quasi nicht nur zu allen anderen Charakteren auf Distanz, sondern auch zum Leser - was, wenn ich mal so drüber nachdenke, eigentlich kein schlechtes Konzept ist, sich aber in diesen Fall doch eher langweilig gestaltet. Doch hat man diese Passagen erst einmal überwunden, kommt die Geschichte um Summer und ihre Vergangenheit langsam ins Rollen und sie selbst wird zu einer Protagonistin, die mir sehr sympathisch war. Sie liebt es in fremde Rollen zu schlüpfen, Lügen gehen ihr leicht von den Lippen und das macht sie zu einer besonders guten Schauspielerin. Und das ist sie die ganze Zeit über, denn ihre eigene Persönlichkeit hat sie ja verloren. Gerade diesen Umstand fand ich sehr interessant, auch wegen dem unvergleichlich tollen Schreibstil der Autorin, der die jeweiligen Verwandlungen in eine neue Person super gut illustriert. Fan von Blazons Art zu schreiben und Stimmungen zu erschaffen, bin ich ja schon länger und auch in diesem Buch wurde ich davon nicht enttäuscht. Im Gegenteil war es zu Anfang (er war wirklich zäh) das einzige, was mich hat weiterlesen lassen.
Abstrahiert formuliert kann man sagen, dass in diesem Buch generell Gegensätze eine sehr große Rolle spielen: Leben und Tod, Liebe und Hass werden unauflösbar miteinander verknüpft und natürlich finden auch die Elemente Gut und Böse ihre Verwendung. Was ich hier besonders bemerkenswert finde ist die Tatsache, dass diese Unterteiluung zwar oberflächlich stattfindet, im Kern aber relativiert und die Schwarz-Weiß-Darstellungen sogar kritisiert wird. Gerade in Verbindung mit Faunblut und der Rolle, die Lady Mar darin zuteil wird und welche Rolle sie hier spielt.
Vergleichsweise viel Platz hat gibt es natürlich auch für eine Liebesgeschichte, die bis zum Ende mehr oder weniger unsicher und unberechenbar ist. Gerade in dieser Beziehung nervte mich Summers Verschlossenheit. Protagonisten, die einfach die Klappe nicht aufkriegen, gehen mir auf die Nerven und da Summer nichts und niemandem traut, kann man dieses Verhalten leider sehr oft bei ihr beobachten.
Auf einen schwachen Anfang folgte eine große Steigerung mit ordentlich Spannung und einer schönen Auflösung, sodass ich trotz einiger Schwächen noch gute 3 Wölkchen vergeben kann.


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