30.03.2013

[Rezi] Cody McFadyen - Der Menschenmacher

Erscheinungsjahr: 2011
Originaltitel: The Innocent Bone
Genre: Thriller
Seitenzahl: 605


Teaser:
Er streute Momente der Freiheit in ihre Gefangenschaft ein, schob die Gitter weit weg, bis zum Horizont. Sie waren immernoch da, aber wenn Dad nicht zu Hause war, lief das Leben beinahe normal und man vergaß alles. Es machte die Dinge erträglicher.




Handlung
David Rhodes ist ein berühmter Schriftsteller, Vater seiner 20-jährigen Tochter Kristen und Leiter seiner Wohltätigkeitsorganisation. Diese hat zum Ziel, qequälte und misshandelte Kinder zu befreien und ihnen eine Chance auf ein normales Leben zu bieten. Sein Adiptivbruder Charlie kämpft im Ausland um die Kinder, während David auf Sponsorenjagd geht. Dabei helfen ihm das gewinnende Lächeln, das er von seiner Mutter geerbet hat und auch sein Talent mit Worten umzugehen. Aber am meisten beeindruckt sind die potentiellen Sponsoren von den Narben auf Davids Rücken, die er am Ende seiner Ansprachen zeigt und die ihm sein Adoptivvater beigebracht hat. Bob Gray hielt ihn, Charlie und ihre Adoptivschwester Allison über Jahre hinweg unbemerkt in einem großen Haus gefangen und versuchte "Übermenschen" aus ihnen zu machen. Um die menschlichen Schwächen aus ihnen zu vertreiben, schlug er sie brutal und brachte ihnen eine Unmenge an seelischen und körperlichen Wunden bei. Während Allison zur BAU - der Verhaltensanalyse des FBI - gegangen ist, versuchen David und Charlie Kinder vor einem ähnlichen Schicksal wie ihrem zu bewahren. Doch der Wahnsinn ihrer Vergangenheit holt sie nach 25 Jahren wieder ein und setzt sie und die wenigen Menschen, die ihnen mittlerweile etwas bedeuten, unmenschlichen Gefahren aus.

Meine Meinung
Das Buch ist mir zufällig in die Hände gefallen und ohne jemals etwas von dem Autor gelesen oder eine Ahnung vom Inhalt zu haben, hab ich einfach mal losgelegt. Und mir fehlen jetzt fast die Worte, um es zu beschreiben. Bis auf eins: krass!
Dieses Buch ist das erste seit langer Zeit, das ich erstens nicht aus der Hand legen konnte, und das ich zweitens erstmal zwei Tage verarbeiten musste, um jetzt darüber schreiben zu können.
Anscheinend hat es gerade von eingefleischten McFadyen-Fans keine so guten Kritiken bekommen, aber ich muss sagen, dass es mich wirklich umgehauen hat. Und ich weiß immernoch nicht genau, ob im positiven oder im negativen Sinn.
Fangen wir am besten mal mit dem Schreibstil an. Den fand ich absolut wundervoll. Er kommt ganz ohne komplizierte Satzgefüge und unnötige Schnörkel aus, sondern schmückt sich durch die transportierten Botschaften ganz reduziert aber dennoch wirksam. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Arbeit Davids als Schriftsteller einen großen Raum einnimmt und man großte Teile der Geschichte aus seiner Sicht erlebt. So hat der Zauber und die Wirkung von Worten einen wichtigen Platz innerhalb des Buches inne und das gehört ja sowieso zu meinen all-time-favourite-plots. Was einen Schriftsteller meiner Meinung nach zu etwas besonderem macht, ist seine Fähigkeit, genau die Gedanken in Worte zu fassen, die in den Köpfen seiner Leser schon rumschwirren und nur artikuliert werden müssen. Und zu dieser Kategorie gehört McFadyen auf jeden Fall.

Doch gerade dieser Schreibstil machte das Buch für mich teilweise zu einer Odyssee. Es geht in der ganzen Geschichte um Missbrauch. Sexueller Missbrauch der wirklich wirklich extremen Sorte an kleinen Kindern, jungen Mädchen oder ganzen Familien, Gewalt und nochmal Gewalt. Körperliche und seelische Qualen werden so eingehend geschildert, dass es mir als Leser fast schon zu viel wurde. Nicht die detalierten Beschreibungen des "wie", also der Taten an sich, sondern die Erklärungen für das "warum", der Blick in die Psyche der Täter bewirkten meinen starken "lass-mich-in-ruhe-in-meiner-regenbogenwelt-leben"-Reflex. Vor allem, dass die Täter besonderen Bezug zur Religion oder zu berühmten Theorien beispielsweise von Nietzsche nehmen, hat mich sehr erschüttert. Philosophien und teologische Überlegungen werden in den Köpfen dieser Wahnsinnigen bis ins Unmenschliche pervertiert und gerade diese eigentlich mehr oder weniger vernünftige - oder zumindest gewissermaßen wissenschftliche - Grundlage für solche furchtbaren Taten haben mich doch tief erschüttert.

Zwischen diesen Passagen der Qual gibt es immer wieder kurze, wunderschöne Passagen des Glücks. Sowohl vom Thema her - da geht es dann um echte Freundschaft, den großen Wert kleiner Gesten, etc. - als auch vom Verlauf der Geschichte. In diesen Momenten kann man immer wieder kurz Luft holen und sich für die mit Sicherheit folgenden furchtbaren Stellen vorbereiten. Mir ist das nur leider nicht wirklich gelungen.
Bis zum Ende hin blieb die Geschichte für mich spannend; immer neue Abgründe der menschlichen Psyche werden aufgedeckt und ich war wirklich froh um das im Vergleich zum Rest kurz gehaltene Ende. Irgendwann ist echt gut.

Zusammenfassend bin ich wirklich verliebt in das Buch. Es hat genau seinen Zweck erfüllt; der Thrill-Effekt war definitiv da und ich kann es wirklich nur weiterempfehlen. Aber nur (!) wenn man gestärkte Nerven hat. 5 rosa Wölkchen.


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