23.02.2013

# Rezensionen

[Rezi] Justin Cronin - Der Übergang

Erscheinungsjahr: 2010
Originaltitel: The Passage
Genre: Science-Fiction
Reihe: Übergang-Trilogie, Teil I
Seitenzahl: 1019



Teaser:
Amy hatte angefangen zu weinen, und ihre Brust verkrampfte sich in einem Schluckauf. Wolgast gab Doyle den Schlüssel zurück, nahm sie auf den Arm und drückte sie an sich.



Handlung
In den USA - genauer gesagt in Colorado - befindet sich ein riesiges Testgelände. Dort werden medizinische Versuche an Menschen durchgeführt, Menschen, die niemand vermissen wird und deren offizielle Existenz ab dem Moment gelöscht wird, in dem sie das Gelände betreten. Das Ziel der Forschung ist es, Menschen unsterblich zu machen; zu diesem Zweck wurde ein Virus entwickelt, der nun den Testpersonen injiziert wird. Niemand weiß genau, was das Virus mit den Probanden anstellt, doch die Konsequenzen sind verheerend. Sie werden stärker, sowohl körperlich als auch psychisch, als ihre Betreuer und überhaupt alle Menschen und ihr Blutdurst wird immer stärker. Und dann passiert das Unglück: den zwölf Testpersonen - sofern man sie in ihrer neuen Gestalt noch erkennen kann - gelingt der Ausbruch und sie beginnen, die Welt, wie wir sie kennen, in Schutt und Asche zu legen.
Mittendrin stecken Agent Wolgast und die 6-jährige Amy Harper Bellafonte. Wolgast ist derjenige, der im Auftrag des FBI alle 12 Testpersonen auf das Gelände gebracht hat. Jeder einzelne von ihnen saß in einem Gefängnis der Vereinigten Staaten und wartete auf die Vollstreckung der Todesstrafe, zu der sie verurteilt worden sind. Weil sie keine Familie und Freunde haben, sind sie die idealen Versuchskaninchen für die Forschung in Colorado, denn erstens darf keiner von den Experimenten wissen und zweitens wissen nicht einmal die Leiter, was mit den Menschen passiert. Amy soll als 13. Probandin an der Studie teilnehmen - sie ist die Tochter einer überforderten Mutter, welche sie in einem Kloster abgibt. Sie ist mitten im Versuch, als die Welt um sie herum durch die übrigen 12 erbebt. Wolgast kann das Mädchen in letzter Minute retten. Bei der Flucht kommt Wolgast ums Leben und Amy ist ganz auf sich alleine gestellt.
Gute 100 Jahre später gibt es kaum noch Menschen auf der Welt und Amy taucht bei einer der wenigen organisierten, menschlichen Gemeinschaften wieder auf - kaum gealtert und offensichtlich von einem Geheimnis umgeben.

Meine Meinung
Eine ziemlich lange Inhaltsangabe. Aber es ist ja auch ein ziemlich dickes Buch. Ich weiß auch gar nicht so richtig, welche Meinung ich dazu habe oder wo ich mit der Bewertung anfangen soll.
Für mich lässt sich die Geschichte in zwei Teile gliedern: bis Seite 700 und ab Seite 700. Oder anders gesagt: Langeweile und Action. In der Reihenfolge. Durch die ersten 700 Seiten musste ich mich wirklich quälen. Da geht es zwar noch recht spannend los mit diesm mysteriösem Experiment und den Mitteln des FBI, die Existenz von Menschen einfach so verschwinden zu lassen - so etwas lese ich ja unheimlich gerne. Aber dort geht diese Langatmigkeit schon los: es werden furchtbar viele Personen sehr detailiert vorgestellt, die zunächst in keinerlei Beziehung zueinander stehen. Da werden einfach die Figuren ohne erkennbares Ziel aneinandergereiht, und das hat mich erstmal verwirrt.
Die Idee mit dem Experiment dagegen - und dass in einer Dystopie überhaupt über die Zeitspanne geschrieben wird, die den "Weltuntergang" einleitet - fand ich dagegen wieder sehr gut. Auch eine der großen Stärken des Buches zeichnet sich hier schon ab: die Darstellung der Charaktere. Auf eine eigentlich eher distanzierte Art zeichnet Cronin die Figuren so plastisch, dass man ihre Handlungen und Beweggründe wirklich verstehen kann.

Naja, dann geschieht die Katastrophe - die ersten 400 Seiten arbeiten darauf hin und man weiß die ganze Zeit, dass sie eintreten muss, aber sie kommt und kommt einfach nicht, weil ständig noch ein bisschen tiefer in irgendeine Lebensgeschichte einer der Personen eingetaucht werden muss. Nun gut, dann ist sie aber da und 100 Jahre später befinden wir uns in einer kleinen Kolonie von Überlebenden wieder, die keine Verbindung mehr zur Vergangenheit haben. Auch Amy ist nicht mehr da und im Grunde sind alle Figuren, um die es geht, jetzt neu. Und das ist die Gelegenheit für den Autor, sein anscheinend liebstes Hobby weiterzuführen: Charaktere erfinden. Wirklich, ich finde, er kann das wunderbar. Fast schon virtuos. Selten lese ich von Figuren, die logisch so glaubhaft konzipiert sind, die alle einen völlig ausgearbeiteten Charakter verpasst bekommen und die einfach - es gibt kein treffenderes Wort - authentisch sind. Aber bei aller Liebe: muss man das so übertreiben? Es passiert ja fast nichts, was die Handlung vorantreibt. Gut, die neue Weltordnung wird erklärt, was ja durchaus sinnvoll ist, und ein bisschen Grusel und Horror gibt es auch. Aber hauptsächlich beschäftigt man sich gefühlt mit jedem einzelnen Bewohner dieser Kolonie. Und letzten Endes sind nur fünf wirklich von Bedeutung für die Geschichte.

Aber dann ungefähr ab Seite 700 beginnt sich die Spannung langsam zwischen den vielen Seiten herauszukämpfen und springt auf den Leser zu! Endlich Action, ein verfolgbarer Handlungsstrang und vor allem die Verknüpfung mit den Ereignissen von vo 100 Jahren. Fragen werden aufgeworfen und tatsächlich erklärt und die Atmosphäre, die sich im ganzen Buch aufgebaut hat, entfaltet endlich ihre Wirkung.

Wie bewerte ich das Ganze denn aber nun? Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Story an sich richtig toll ist und sich auch wirklich tiefgründige Passagen finden lassen. Aber meiner Meinung nach hätte man auch 300 oder 400 Seiten weglassen können und die Geschichte hätte sich ebensogut entwickelt. Nur ohne diesen Informationsschwall, der im Endeffekt eigentlich unwichtig ist. Der Schreibstil des Autors ist, auch neben der Schilderung der Charaktere, einfach schön und stimmungsvoll zu lesen.
Trotzdem konnte mich das Buch nicht so sehr begeistern und die 700 Seiten Langatmigkeit fallen dabei echt negativ ins Gewicht. Also gibts von mir leider nur 2 Wölkchen - aber Teil 2 werde ich mir trotzdem besorgen, denn die 300 Seiten am Ende waren wirklich genial.

                   

Kommentare:

  1. puuuh. Ich hab es ja schon nach 1-2 Stunden abgebrochen (ich habe das Hörbuch) und überlege, ob ich es nochmal versuchen soll. Aber mich über Stunden zu langweilen, nur damit die letzten Minuten spannend sind. Hm... :/

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  2. Hallo,

    ich finde es immer schwierig, wenn mich ein Buch nicht fesseln kann - wenn du dann aber 700 Seiten "wartest" hast du wirklich Durchhaltevermögen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob mich das Buch inhaltlich ansprechen würde - auch wenn so absolute Wälzer auch nicht unbedingt mein Geschmack sind - ich habe auch noch ein paar auf dem SuB, die sind dann leider immer unpraktisch für Bus/Bahn oder andere Wartezeiten mitzunehmen ;)

    Wünsche dir einen ruhigen Sonntag,
    liebe Grüße,
    Patricia

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  3. Phoar, so was macht mich ja immer richtig wütend. 700 Seiten NICHTS. Oder eben nichts Spannendes. Bind a nämlich wie du: Weglegen würde ichd as Buch trotzdem niemals. Aber man sieht's ja, das wird belohnt. Gue Arbeit, du altes Wahnsinnshaus ;)

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    1. Danke schön :D
      Ja, da bin ich auch wirklich ein bisschen neurotisch. Ein Buch muss schon wirklich endlos grottenschelcht sein, damit ich es vorzeitig abbreche. Gut zu wissen, damit nicht allein zu sein ;D

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  4. Oh, um dieses Buch schleiche ich schon lange herum, aber die vielen Seiten haben mich immer abgeschreckt. Lustigerweise ist eine Freundin von mir, die nicht besonders viel liest, absolut begeistert von diesem Buch und hat es mir schon mehrfach empfohlen. Mysteriös! Nun weiß ich gar nicht mehr, was ich davon halten soll. *grübel*

    Zu der "Blogger schenken Lesefreude"-Aktion: Das kann ich gut verstehen. Eigentlich hatte ich auch nie Gewinnspiele veranstalten wollen. Aber nun werde ich es einfach mal ausprobieren. :)

    Hehe, das stimmt natürlich, man möchte doch immer das haben, was man gerade nicht hat. Ich schreibe in meinem Studiengang leider sehr wenige (zu wenige) Hausarbeiten, dabei bringen mir die doch so viel Spaß. Ich habe festgestellt, dass ich mich so intensiver mit den Themen beschäftige, als wenn ich nur eine blöde Prüfung schreibe - danach ist das Wissen dann auch schon wieder weg. Ist aber natürlich fachabhängig. Ich würde nun auch keine BWL-Hausarbeit schreiben wollen. ;)

    Oh, das ist sicher blöd. Aber die Galotti kann man ja ganz schnell lesen. ;D

    Das stimmt, man lernt beim Thema Kochen echt viel dazu. Genauso wie beim Backen. Ich habe gerade meine erste Schwarzwälder Kirschtorte gebacken und war überrascht, wie einfach das Rezept ist. :D

    Viele Grüße
    Miyann

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