22.01.2013

# Rezensionen

[Rezi] Jan Terlouw - Kriegswinter

Erscheinungsjahr: 2012 (Originalausgabe 1972)
Originaltitel: Oorlogswinter
Genre: Jugendbuch
Seitenzahl: 193



Teaser:
Vor allem aber war Michiel heilfroh, dass bisher keine deutschen Soldaten gekommen waren, um ihn abzuholen. Anscheinend hatte Dirk seinen Namen doch nicht erwähnt, und dafür war er ihm tief dankbar.




Handlung
Die Niederlande sind im Winter 1944 seit nun vier Jahren von deutschen Soldaten besetzt. Diese verbreiten Angst, Schrecken und Tod. Auch im Dorf des 16-jährigen Michiel ist das Militär stationiert und hält die Einwohner klein. Da das Dorf sehr ländlich liegt, geht es den Menschen, die dort leben, deutlich besser als der Stadtbevölkerung, die unter der eisigen Kälte des Winters ebenso zu leiden hat wie unter der Nahrungsmittelknappheit. Jeden Abend nimmt Michiels Familie Durchreisende auf, die teilweise sehr weite Strecken zurückgelegt haben, um bei irgendeinem Bauern etwas Essbares für die Familie aufzutreiben, und mit ihren Kräften total am Ende sind.
Als wäre das alles noch nicht schlimm genug, wird Michiel durch seinen Freund Dirk zum Teil einer Widerstandsgruppe gegen die deutsche Besetzung und muss alleine für einen verletzten englischen Piloten sorgen, der im Wald versteckt ist und ohne Hilfe seinen Verletzungen erliegen würde.

Meine Meinung
In den Niederlanden ist dieses Buch ein bekannter Roman, der zum Teil auch für die Schullektüre verwendet wird.
Dies scheint mir absolut nachvollziehbar, denn ohne zu krasse und brutale Darstellungen wird der Leser in die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs befördert und sieht diese Zeit durch die Augen eines 16-jährigen Jungen, dem eine große Verantwortung auferlegt wird, die er unter größter Gefahr für sein Leben und das seiner Familie zu tragen versucht.

Michiel und seiner Familie geht es verhältnismäßig gut. Da sie in einem Bauerndorf leben, werden sie selten Opfer von Bombardements duch die Alliierten und haben auch immer genug zu Essen. Trotzdem ist auch ihr Leben von der konstanten Bedrohung durch die deutschen Soldaten überschattet. Seit abzusehen ist, dass das Deutsche Reich den Krieg verlieren wird, neigen diese nämlich zu immer gnadenloseren Gewalttaten und die Finger sind noch lockerer am Abzug der Gewehre, als sowieso schon.

Trotzdem gibt es einige Menschen, die Flüchtlinge versteckt halten und anderweitig den Widerstand gegen die Besatzer aufrecht erhalten. So auch Michiels Freund Dirk, der ihm von einem geplanten Überfall auf eine Lebvensmittelmarken-Verteilungsstation erzählt. Dirk vertraut Michiel einen Brief an, den dieser weiterleiten muss, falls etwas bei dem Überfall schief geht. Und weil Verräter überall sind, scheitert der Überfall, Dirk wird in Haft genommen und Michiel sieht sich unvermittelt als Teil der Widerstandsgruppe. Jetzt hat er die Verantwortung für einen abgestürtzten englischen Piloten, der unter keinen Umständen den deutschen Soldaten in die Hände fallen darf.

Auf den wenigen Seiten, die dieser Roman umfasst, wird eine größtmögliche Atmosphäre von Angst und Schuld geschaffen, doch immer wieder durchsetzt von kleinen Hoffnungsfunken. Michiel muss schnell erwachsen werden, um seinen Eltern und schließlich dem Widerstand so gut es geht zu helfen. Er kann seit Monaten die Schule nicht mehr besuchen und hat insgesamt plötzlich für ein Alter eine Menge zu schultern.
Durch die besondere Verflechtung der einzelnen Handlungsstränge verdeutlicht der Autor, welcher Rattenschwanz eine einzige Aktion nach sich ziehen kann und wie viele Leben von einer falschen Entscheidnung abhängen können.

Sehr gut fand ich vor allem, dass trotz der Kürze der Geschichte auch ein Augenmerk darauf gelegt wird, keine pure Schwarz-Weiß-Darstellung zu betreiben. Es gibt nicht die bösen Deutschen und die guten Widerstandskämpfer, sondern Individuen, die auch als solche beurteilt werden müssen.
Sowieso werden viele Aspekte, die für mich in ein Buch gehören, das diese Thematik aufarbeitet, so behandelt, dass man darüber nachdenkt, aber nicht erschlagen wird von ihrer Gewalt. Diese Tatsache, und der leicht zugängliche Schreibstil machen das Buch definitv zu einer guten Lektüre für Kinder, die sich vielleicht zum ersten Mal mit dem Zweiten Weltkrieg und seinen furchtbaren Folgen für die Menschen der damaligen Zeit, auseinandersetzten. Man ist nach dem Lesen nicht verstört, aber auch nicht entspannt.
4 Wölkchen gibt es dafür von mir.




Mein Dank für dieses Rezensionsexemplar geht an den Urachhaus-Verlag und BloggDeinBuch.

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