02.07.2012

# Rezensionen

[Rezi] Sophie Kinsella - Göttin in Gummistiefeln

Erscheinungsjahr: 2006
Originaltitel: The Undomestic Goddess
Genre: Humor
Seitenzahl: 446


Teaser:
Ich weiß nicht, was da schon wieder passiert ist. Braune Bläschen blubbern aus dem Topf, ruckeln über den Rand, ergießen sich über den Herd und tropfen bereits auf den Fußboden. Es sieht aus wie in dieser Geschichte vom "Süßen Brei" und dem Zaubertopf, der nicht mehr aufhören will, immer mehr Brei zu machen.



Handlung
Wenn man das Wort "Workaholic" definieren möchte, muss man sich nur Samantha anschauen: seit ihrer Einschlung hat sie unermüdlich gearbeitet, um als Anwältin Karriere zu machen. Da ihre gesamte Familie komplett karriereorientiert ist und neben der Arbeit kaum Lebensinhalt hat, hält Samantha diesen Lebensstil für völlig normal. Sie arbeitet seit 7 Jahren jeden einzelnen Tag der Woche in der besten und renommiertesten Kanzlei Londons. Auch die Nächte schlägt sie sich um die Ohren, um ihrem großen Ziel, Seniorpartnerin zu werden, näher zu kommen. An dem Tag, an dem sie endlich befördert wird, entdeckt sie, dass ihr ein riesiger Fehler unterlaufen ist. Und Fehler werden in der Kanzlei nicht aktzeptiert. Schon gar nicht, wenn sie den Klienten 50 Millionen Pfund kosten. Vor Panik zu keinem klaren Gedanken mehr fähig, flüchtet Samantha aus der Kanzlei, steigt in irgendeinen Zug ein und landet in einem kleinen Dörfchen weit außerhalb der großen Stadt. Dort führen mehere Missverständnisse dazu, dass sie, die nicht mal eine Tiefkühlpizza aufbacken kann, zur neuen Haushälterin bei einem neureichen Ehepaar wird.

Meine Meinung
Wie die Inhaltsangabe schon durchklingen lässt, ist die Story nichts wirklich neues. Samantha ist ein pures Nervenbündel, das sich für die Arbeit total aufreibt und keinerlei Privatleben hat. Ihre Mutter hat sie von jeher auf Erfolg gedrillt und ihrem eigenen Ehrgeiz kommt es auch zugute, dass sie in ihrer Kanzlei zu den besten Anwältinnen gehört und kurz vor der Beförderung steht. Sie hat zwar viel Geld, aber kein erfülltes Leben. Ihren Geburtstag zum Beispiel verbringt sie in einem schicken Restaurant und an ihrer Seite sind... zwei Handys - jeweils ihre Mutter und ihr Bruder am anderen Ende der Leitung, denen beiden ein wichtiges Meeting dazwischengekommen ist.
Doch dann ändert ein dummer Fehler alles: Samantha steht vor den Trümmern ihrer Karriere und flüchtet erstmal ein blinder Panik aufs Land. Dort irrt sie völlig orientierungslos herum und wird schließlich von Trish und Eddie als Haushälterin angestellt. Kochen und Saubermachen gehört von nun an zu ihrem Arbeitsalltag. Was zu der ein oder anderen mittelschweren Katastrophe führt, denn sie hat nicht die geringste Ahnung von Haushaltsgeräten und weiß auch nicht, wie man Betten bezieht. Dazu kommt noch, dass sie für ihre neuen Arbeitgeber ständig neue Geschichten erfinden muss, um ihre (auf sehr wackeligen Beinen stehende) Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Ihre chaotische Ader kommt zwar schon ganz zu Anfang des Romans durch, doch bricht erst hier so richtig aus, wo Samantha sich alle zwei Minuten in Situationen wiederfindet, mit denen sie weder gerechnet hat, noch klarkommt. Die Geschichten, die sie vor allem Trish auftischt, leben von der Komik des Absurden und ihre kleinen und großen Missgeschicke im Haushalt sind auch jedesmal ein komödiantische Highlight. Zum Glück gibt es den hilfsbereiten Gärtner Nathaniel, der im Gegensatz zu Trish und Eddie sofort merkt, dass Samantha keine echte Haushälterin ist und sie kurzerhand bei seiner Mutter in die Lehre schickt.
Die Charaktere sind zwar nicht sehr tiefgründig, aber das müssen sie auch nicht sein, um für diese Geschichte zu funktionieren. Trish und Eddie sind die ein bisschen stereotypischen Neureichen, die sich unheimlich viel auf ihr Geld einbilden und sehr naiv un affektiert durch Leben gehen. Dabei sind sie aber herzensgut und wollen wirklich für alle immer nur das Beste. Auch wenn die Meinung darüber, was das Beste ist, auseinander gehen können. Und Sam ist die spritzige Chaotin, die von ihrer Identitätskrise mehr als verwirrt ist aber versucht, zu retten, was zu retten ist. Sie macht im Laufe des Romans eine Entwicklung durch, die sie von der gehetzten Staranwältin zu einer entspannten, lebensbejahenden Frau macht, die auch mal abschalten kann.
Der Wahrscheinlichkeitsgrad dieser Geschichte ist zugegebenermaßen nicht sehr hoch, aber der Schreibstil der Autorin ist so lustig und mitreißend, dass ich weiterlesen musste, obwohl das Ende ziemlich früh vorherzusehen war. Ein paar kleine Überraschungen hat sie aber doch eingebaut, und die knallen auch tatsächlich ziemlich unerwartet rein. Eine gehörige Portion Kitsch darf natürlich auch nicht fehlen, aber dieser ist absolut angemessen und in keiner Weise zu dick aufgetragen. Für dieses leichtes, wirklich witzige und erkenntnisreiche (carpe diem! ;D ) Buch gebe ich 4 Wölkchen.


Kommentare:

  1. Unglaublich schön dein Blogdesign! Das trifft TOTAL meinen Geschmack :)
    Bin gleich mal Leserin geworden :)

    Schau doch auch mal bei mir vorbei, würde mich freuen!:))

    Liebe Grüße Marigona <3
    http://meine-buecherwelten.blogspot.de/

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  2. Hallo, habe gerade deinen Blog gefunden. Toll hast du es hier, da bin ich doch gleich mal Leserin geworden.
    Schöne Rezi, Kinsella ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Immer wieder lustig.
    Kannst ja mal bei mir vorbei schauen. http://bienesbuecher.blogspot.de/
    LG Sabrina

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