05.07.2012

# Rezensionen

[Rezi] Sebastian Fitzek - Amokspiel

Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Psychothriller
Seitenzahl: 425


Teaser:
Wir geben immer anderen die Schuld. Oder wir machen die Umstände für unser Lebenstrauma verantwortlich. Tatsächlich aber gibt es nur einen einzigen Menschen, der uns fertigmachen kann. Nur eine Person hat die Macht, uns völlig zu zerstören, wenn wir es zulassen. Und das sind wir selbst.




Handlung
In dem Aufnahmestudio eines berliner Radiosenders spielt sich eine unglaubliche Tragödie ab. Ein zutiefst traumatisierter Mann hat den Moderator, den technischen Leiter und 5 weitere Menschen als Geiseln genommen, alles verbarrikadiert und spielt jetzt mit Hilfe einer Live-Übertragung mit deren Leben: das bei Radioshows allseits beliebte Spiel Cash Call, bei dem eine zufällig ausgesuchte Nummer gewählt wird und wenn sich derjenige am anderen Ende der Leitung mit einer bestimmten Parole meldet, gewinnt er eine hübsche Summe Geld. Allerdings spielt der Geiselnehmer dieses Spiel mit ein paar kleinen Regeländerungen. Denn es geht nicht ums Geld. Wenn nicht sofort die richtige Parole genannt wird, tötet er eine Geisel. Und das Stunde um Stunde.
Seine Motive liegen so lange im Dunkeln, bis Ira Samin zu dem Fall hinzugezogen wird, eine einst erfolgreiche Polizeipsychologin, die allerdings seit dem Selbstmord ihrer Tochter ein psychisches Wrack ist und sich am Morgen der Tat noch das Leben nehmen wollte. Durch ihre unkonventionellen Verhandlungsmethoden findet sie durch mehrere Telefonate mit dem Täter, die dieser alle live im Radio mitlaufen lässt, heraus, dass er mit seiner Verlobten Leonie reden will. Im Austausch will er alle Geiseln, die bis dahin überleben freilassen. Das Problem: laut Polizeiakte ist Leonie seit 8 Monaten tot; umgekommen bei einem schweren Autounfall.

Meine Meinung
Um es amtlich zu machen: Ich darf nie wieder während der Klausurenphase ein Buch von Sebastian Fitzek lesen. Nie wieder! Denn ich kann einfach nicht aufhören zu lesen, bis ich das Ende kenne. Gewohnt spannend bis (fast) zu letzten Seite ist auch dieses Buch von ihm und es hat mich wieder absolut und völlig in seinen Bann gezogen.
Ein berliner Radiostudio wird Schauplatz eines Geiseldramas. Ein riesiges Polizeiaufgebot wird aufgefahren, mit allen möglichen technischen Finessen und natürlich darf auch die Polizeipsychologin nicht fehlen. Dass diese eine Alkoholikerin ist, mit ihrem in Scherben liegenden Leben bereits abgeschlossen hat und eigentlich überhaupt nicht in der Lage ist, eine so brisante Verhandlung zu führen, beruhigt weder den Leser noch die Charaktere im Buch. Doch der Geiselnehmer verlangt explizit nach Ira und ist nicht bereit, mit jemand anderem zu reden. Also setzt sie sich mit ihm in Verbindung und die Situation ist beständig in der Schwebe zwischen 'gerade noch unter Kontrolle' und 'gleich knallt's'. Man weiß nicht, wo die labile Situation zuerst zusammenbricht: eskalieren die starken Uneinigkeiten im SEK-Team? Verliert Ira die Nerven und macht entscheidende Fehler bei der Verhandlung? Oder dreht der Täter selbst völlig durch, rastet komplett aus und zündet den Sprengkörper, den er sich umgeschnallt hat?
Mit den einzelnen Charakteren identifiziert man sich im Laufe der Geschichte immer mehr; vor allem mit Ira, in deren Seelenleben man einen tiefen Einblick erhält. Obwohl sie psychisch und im Zuge ihrer Alkoholsucht - die während des Einsatzes natürlich nicht befriedigt werden kann und zu entsprechenden Entzugserscheinungen führt - auch körperlich total am Ende ist, führt sie die aufreibenden Verhandlungen. Nicht sonderlich professionell gegenüber ihrem Einsatzleiter, der sie sowieso schon nicht dabei haben will, aber die Gespräche mit dem Täter zieht sie durch. Obwohl sie ihren Lebenswillen verloren hat, merkt man doch, was sie für eine starke Frau ist.
Zum Ende hin wird es ein bisschen verworren und es gibt einige extrem überraschende Wendungen. Aber auch sowas erwartet man als treuer Fitzek-Leser ja schon. Und er schafft es auch immer wieder (zumindest bei ähnlich naiven Lesern wie mir ;) )! Allerdings gibt es hier ein paar logische Brüche, wie ich finde und die Auflösung ist nicht so rund, wie ich sie gerne gehabt hätte. Trotzdem kamen mir am Ende die Tränen und ich musste die Geschichte ersteinmal verdauen.
Der Schreibstil ist dem actionreichen Geschehen angepasst. Schnell, prägnant und auf den Punkt. Wie man es von Fitzek eben gewöhnt ist. Deshalb gibt es von mir 5 rosa Wölkchen und eine absolute Leseempfehlung!


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