02.06.2012

# Rezensionen

[Rezi] Paulo Cohelo - Der Alchimist

Erscheinungsjahr: 1996
Originaltitel: O Alquimista
Genre: Erzählung
Seitenzahl: 172


Teaser:
"Ganz egal, was man ist, jeder Mensch steht jederzeit im Mittelpunkt der Weltgeschichte. Doch meistens weiß er es nicht", schloss der Alchimist, indem er sein Pferd antrieb. Der Jüngling lächelte. Er hatte es nie für möglich gehalten, dass das Leben eines Hirten so wichtig sein könnte.



Handlung
Ein junger Schafshirte zieht nun seit zwei Jahren mir seiner Herde durch Andalusien. Mit diesem Leben ist er absolut zufrieden, denn er reist viel umher und lernt immer neue Menschen kennen. Dann hat er gleich zweimal hintereinander einen merkwürdigen Traum, den er von einer Zigeunerin deuten lässt. Dieser Traum sagt ihm, er muss nach Ägypten zu den Pyramiden, denn dort wird er einen Schatz finden. Der junge Hirte ist hin- und hergerissen zwischen der Sicherheit seines bekannten Lebens und dem Abenteuer mit Aussicht auf sein Glück. Doch er entschließt sich, seinem persönlichen Lebensweg zu folgen und lernt dabei alles über die Welt und vor allem über sich selbst.

Meine Meinung
So wenige Seiten dieses Buch auch haben mag, ist es dennoch gefüllt mit unglaublich viel (und man kann es nicht anders bezeichnen) Weisheit. In jeder Zeile steckt eine wertvolle Botschaft, auf die man sich nur einlassen muss, um sie zu verstehen.
Die Handlung an sich ist sehr unkompliziert und klar strukturiert. Ein junger Schafshirte sucht sein Glück. Er verkauft seine Tiere und macht sich auf den weiten Weg zu den Pyramiden, weil ein Traum ihm gesagt hat, dass er dort einen Schatz finden wird. Auf dieser Reise wird er ausgeraubt, muss sich mehrmals wieder aufrappeln und lernt Menschen kennen, die ihm etwas über das Leben beibringen können. Allen voran der Alchimist, der ihn zu seinem Schüler macht. Schließlich findet der junge Hirte den Schatz. Aber nicht dort, wo er ihn die ganze Zeit vermutet hat.
Es geht in diesem Buch nicht um die Geschichte selbst. Es geht um die Botschaft, die durch sie vermittelt wird. Deshalb gibt es auch kaum Spannungsbögen, verzwickte Personenkonstellationen oder überraschende Wendungen. Vielmehr wird der Leser duch die pure Abwesenheit dieser Thrill-Effekte an das Buch gefesselt, denn es strahlt eine solche Erhabenheit und Ruhe aus, dass man gar nicht anders kann, als weiterzulesen. Ähnlich wie ein Bibelgleichnis aufgebaut, ist eine prägende Thematik auch die göttliche Kraft, was aber selbst mich, als wirklich nicht religiösen Menschen, trotzdem sofort in seinen Bann gezogen hat. Es ist beeindruckend, wie Coehlo ein solchs schwieriges Thema beschreiben kann, sodass sich jeder, egal welcher Konfession oder Glaubensrichtung, damit identifizieren kann.
Im Grunde hat die Geschichte mehrere Lehrbotschaften zu vermitteln, die wir sicher alle aus unserer Kindheit kennen: Wenn du etwas wirklich willst, kannst du es erreichen. Das Wichtige ist meist nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Oder: Lebe im Hier und Jetzt. Und der gleichen mehr. Alles Weisheiten, die (mir geht es zumindest so) einem als Kind viel präsenter waren und die im Laufe des Lebens einfach verdrängt werden, weil andere Gedanken den eigenen Kopf so beanspruchen, dass für so etwas keine Zeit mehr bleibt. In dem Sinn war die Lektüre dieses Buches für mich wie eine Art Rückbesinnung; Runterkommen von dem ganzen Stress des Alltags und einfach mal darüber nachdenken, was eigentlich wichtig ist. Denn auch die Geschichte ist nicht überladen mit literarischen Protzelementen, sondern auf das Wesentliche reduziert. Glasklar und unverziehrt. Und genau darin besteht die Kunst des Autors: ein so gewaltiges Werk zu schaffen, ohne viel Aufhebens zu veranstalten.
Mit einem Wort: Großartig. 5 rosa Wölkchen.


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