15.06.2012

[Rezi] Markus Zusak - Wilde Hunde

Erscheinungsjahr: 2008
Originaltitel: Fighting Ruben Wolfe/When Dogs Cry
Genre: Jugendbuch
Seitenzahl: 365


Teaser:
Egal wie sehr Rube und ich auf ihn schimpften, würden wir ihn irgendwie vermissen, wenn ihm etwas zustoßen würde. Es ist schon komisch: Es gibt Dinge auf dieser Welt, die dich von morgens bis abends nur nerven, aber man weiß genau, dass man sie vermissen würde, wenn sie weg wären.



Handlung
In diesem Buch werden zwei Bücher zusammengefasst. "Ruben Wolfe" ist das erste und "Cameron Wolfe" das zweite.
Im ersten Buch erzählt Cameron von seinem Leben. Seine Familie wohnt in einem ärmeren Viertel in der Nähe von Sydney. Sein Vater hat bei einem Arbeitsunfall schwere Verletzungen davongetragen und ist seitdem ohne Job. Deshalb versucht seine Mutter, die Famile zu ernähren. Das gelingt ihr mehr schelcht als recht. Sarah, Camerons Schwester, scheint sozial immer weiter abzurutschen und läuft eigentlich nur noch betrunken durch die Gegend. Steve ist der einzige Siegertyp der Famile. Aus ihm wird einmal was werden. Ganz anders sieht es mit Cameron und Rube aus. Die beiden hängen eigentlich nur rum und versuchen, irgendwie mit der Situation zu Hause klarzukommen. Dann werden sie von Perry entdeckt, einem etwas zwielichtigen Mann, der an der Organisation illegaler Boxkämpfe beteiligt ist. Schnell sind die beiden engagiert, um mit ihren Kämpfen Geld zu machen und die Familienkasse zu unerstützen.
Im zweiten Buch ist ungefähr ein Jahr seit den Boxkämpfen vergangen. Wieder ist Cameron der Erzähler und diesmal geht es hauptsächlich um eine charakterliche Entwicklung. Er, der typische Loser-Typ ohne Selbstwertgefühl beginnt zu verstehen, dass auch er Talente hat und aus dem Schatten seiner großen Brüder austreten kann.

Meine Meinung
Ich weiß gar nicht so genau, wo ich mit meiner Rezi anfangen soll. Es wird mir unglaublich schwer fallen, mich kurz zu fassen, denn wie gesagt, sind in diesem Band zwei Bücher vereint, die eigentlich jeweils eine richtig ausführliche Rezension verdient hätten.
Man kann beide Bücher seh gut miteinander vergleichen; zwar sind sie nicht im selben Stil geschrieben, weil Cameron - der die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt - sich in dem einen Jahr, das wie gesagt dazwischen liegt, weiterentwickelt hat, doch sind sie vom Aufbau und von der Intensität her sehr ähnlich. Hauptaugenmerk liegt nicht auf spannenden Szenen, sondern auf der Entwicklung der agierenden Figuren, ihren Beziehungen zueinander und dem Verständnis füreinander. Die Familie Wolfe ist eine Kämpfer-Familie. Sie durchleben im ersten Buch eine sehr harte Zeit und jedes Familienmitglied schaut einmal in seinen eigenen seelischen Abgrund (mit Außnahme der Mutter vielleicht, die Cameron sehr für ihre Stärke bewundert und die kaum einen Moment der Schwäche erlebt) und trotzdem halten alle zusammen. Ganz besonders die Brüder Rube und Cameron. Obwohl beide so unterschiedlich sind und einen harschen Umgangston miteinander pflegen, würde jeder für den anderen durchs Feuer gehen. Und genau das müssen sie auch beweisen. Rube im ersten Buch und Cam im zweiten. Doch bis es soweit ist, müssen sie sich erst selbst richtig kennen lernen und verstehen, wer und was sie sind. Rube lernt es, indem er lernt, richtig zu kämpfen. Damit sind nicht die illegalen Boxkämpfe gemeint, denn die gewinnt er mit seinem unbezwingbaren Willen und seiner Stärker immer. Aber er muss um sich kämpfen, darum, sich selbst zu finden. Der sensible und scheue Cam ist dabei ein einfühlsamer Beobachter, der Rubes Stimmungen und Entwicklungen beschreibt wie es niemand sonst hätte tun können. Diese Sensibilität steigert sich noch im zweiten Teil, als es um Cam selbst geht. Ohne Freunde hat er nur seine Familie, die ihm Halt gibt. Weil er sehr verschlossen ist, fällt es ihm sehr schwer, Kontakte zu knüpfen, sodass er eigentlich lieber mit sich und seinen Gedanken alleine ist. Unschwer zu erraten, dass ihn aus dieser Verfassung nur ein Mädchen und die erste große Liebe heraushelfen kann. Und die Erkenntnis, dass er gar nicht so erbärmlich ist, wie er sich selbst immer sieht.
Bei beiden Büchern herrscht eine melancholische Stimmung vor, die in einer für Zusak typischen Wortgewalt transportiert wird. Ich liebe seine Art zu Schreiben einfach - wie er durch seine Worte alltägliche Dinge zu etwas Besonderem werden lässt, einfach, indem er sie aus einem andern Blickwinkel betrachtet. Ein wunderschönes Buch. 5 Wölkchen von mir.


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