29.06.2012

# Rezensionen

[Rezi] David Safier - Mieses Karma

Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Humor
Seitenzahl: 282




Teaser:
Ich drehte mich um. Ich befand mich wieder in dem Erdtunnel, in dem ich schon das letzte Mal aufgewacht war. Und auch diesmal grinste mich ein unglaublich dicker Ameisen-Buddah an. Er wirkte sehr zufrieden mit sich, mit der Welt, mit dem Kosmos. Ganz im Gegensatz zu mir.

Handlung
Kim Lange ist eine Karrierefrau. Als ebenso erfolgreiche wie skrupellose Fernsehmoderatorin ist sie über Leichen gegangen, um jetzt endlich den Deutschen Fernsehpreis entgegenzunehmen. Aber nicht nur unliebsame Kolleginnen hat Kim ausgestochen, sondern auch ihre Tochter Lilly und ihren Mann Alex über Jahre hinweg mehr als vernachlässigt. Wie auch wieder am Tag der Preisverleihung; dieser fällt nämlich mit Lillys fünftem Geburtstag zusammen, doch anstatt diesen mit ihrer Familie zu verbringen, steht Kim in Versace gehüllt im Blitzlichtgewitter.
Doch dann stirbt sie - getroffen von einem Trümmerteil einer russischen Raumstation. Und weil sie im Laufe ihres Lebens Unmengen an schlechtem Karma gesammelt hat, darf sie nicht ins Nirwana einkehren, sondern wird als Ameise mit fettem Hintern wiedergeboren. Als solche lebt sie jetzt im Ameisenhügel, der im Garten ihrer zurückgebliebenen Familie steht und beobachtet, wie Alex und Lilly mit dem Verlust umgehen. Natürlich sind die beiden traurig, dich nach einiger Zeit betritt Kims ehemalige beste Freundin Nina die Bühne und kümmert sich aufopferungsvoll um den trauernden Rest der Familie. Natürlich kann Kim nicht zulassen, dass ihr Platz von einer anderen eingenommen wird, tut sich mit dem ebenfalls als Armeise wiedergeborenen Casanova (ja, dem Casanova) daran, gutes Karma zu sammeln, um als höheres Tier oder sogar als Mensch wiedergeboren zu werden und die aufkeimende Beziehung zwischen Nina und Alex zu verhindern.

Meine Meinung
Auf die eine oder andere Weise glauben wahrscheinlich die meisten an das berühmte Karma, auch wenn nicht jeder diese Bezeichnung für das Prinzip "irgendwann bekommt man die Rechnung für das, was man tut" verwendet. Kim für ihren Teil glaubt nicht daran. Das würde nämlich voraussetzten, dass sie sich reflektierend mit dem Leben im allgemeinen und ihrem im Speziellen auseinandersetzt. Aber dafür hat sie keine Zeit. Sie muss an ihrer Karriere feilen. Und als sie endlich ein großes Etappenziel erreicht hat und den Deutschen Fernsehpreis in der Hand hält, stirbt sie auf eine dermaßen absurde Weise, dass es gleich richtig lustig macht. Und so ist das ganze Buch aufgebaut. Absolut verrückte und wahnwitzige Ideen vereint mit einem (nicht einmalig aber dennoch sehr) lustigen Schreibstil voller Sarkasmus und Situationskomik lassen das Lesen dieses Romans zu einer enspannenden und amüsanten Lektüre werden. Es gibt keine Längen in der Geschichte, weil Kim niemals zögert, etwas zu unternehmen und deshalb nie still steht. Diese Charaktereigentschaft wird auch auf den Erzählstil übertragen und es ist immer Action angesagt. Sehr gelungen fand ich auch die Darstellung Giacomo Casanovas, der hin und wieder in den Fußnoten auch zu Wort kommen darf und dessen Ausdrucksweise wirklich stark dem Ton der Memoiren (die ich tatsächlich gelesen habe) entlehnt, was wieder für einige witzige Stellen sorgt, weil sich der chauvinistische, dem 18. Jahrhundert entsprungene Casanova mit einer emanzipierten Frau wie Kim und auch den technischen Neuerungen der Gegenwart auseinandersetzten muss. Zusammen schaffen es die beiden aber auf der Evolutionsleiter soweit hochzuklettern, dass sie wieder Säugetiere werden und Kims Mission "Familie retten" angehen können. Dabei bekommt Kim zum ersten Mal Gelegenheit, von außen auf ihr menschliches Selbst zu blicken und erkennt, dass sie wirklich nicht gerade die angenehmste Person war. Im Laufe des Romans macht sie dann - unter anderem, weil sie ja immer weiter gutes Karma sammeln muss - eine ziemliche 180° - Wendung und lernt, dass sich nicht immer alles um das eigene Ich dreht.
Am Ende gibt es dann zu der ganzen lockeren Komik auch ein bisschen was philosophisch angehauchtes zum Nachdenken, sozusagen die Moral von der Geschichte, die mich grade auch in Anbetracht von Kims Entwicklung sehr gerührt hat und das Buch zu einem schönen runden Abschluss macht.
Eine absolut zu empfehlende Sommerlektüre also. 3 gute Wölkchen von mir!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen