22.05.2012

[Rezi] Karin Slaughter - Unverstanden

Erscheinungsjahr: 2009
Originaltitel: Martin Misunderstood
Genre: Thriller
Seitenzahl: 176


Teaser:
Er wäre schon zufrieden gewesen mit einem durchschnittlichen Männerkörper, einem, dem er mit seinen vielen Stunden auf dem Total-Gym-Heimtrainer so etwas wie einen Muskeltonus verleihen könnte und nicht nur eine horizontale Neuschichtung von Speckringen.




Handlung
Martin Reed ist eigentlich kein schlechter Mensch. Er hatte nur einfach eine Menge Pech in seinem Leben. Pech mit seiner Mutter, die sich nie richtig um ihn gekümmert hat und mehr mit sich selbst beschäftigt war; Pech mit seinem Aussehen, das schon seine Schulkameraden immer wieder dazu bewogen hatte, ihn zum Opfer ihrer Späßchen zu machen; und letztlich auch Pech mit seiner steifen, überkorrekten und gleichzeitig unterwürfigen Art, die ihn nicht gerade zum Sympathieträger macht. Jeder, der ihm begegnet, durchschut sofort, dass er hier das geborene Opfer vor sich hat und Martin schafft es einfach nicht, aus dieser Rolle auszubrechen. Mit Anfang 40 wohnt er noch bei seiner tyrannischen Mutter und lässt sich sowohl von ihr als auch von seinen Arbeitskollegen ohne Ende schikanieren.
Eines Tages findet die Polizei eine Frauenleiche. Die Tote war eine Arbeitskollegin, die es immer besonders auf Martin abgesehen hatte. Und ihr Blut klebt an der Stoßstange seines Autos. Als dann eine zweite Kollegin von Martin tot aufgefunden wird, zieht sich die Schlinge um seinen Hals immer enger zu.

Meine Meinung
Martin Reed ist einfach der typische Loser. Er ist komplexbeladen, lässt sich von wirklich jedem unterbuttern und findet, dass das gar nicht mal das schlechteste Los ist. Lieber irgendwie Aufmerksamkeit bekommen, als komplett ignoriert zu werden, das scheint sein Motto zu sein. Aber seine Figur hat wenigestens ein bisschen Substanz. Alle anderen Charaktere dieses Buches sind und bleiben Stereotypen: Martins fiese Mutter, seine Arbeitskollegen und überhaupt eigentlich alle. Immer schön im Klischee. Nur Detective Albada, die die Ermittlungen gegen Martin leitet, sticht ein bisschen aus der Masse der vorgefertigeten Figurenmuster heraus, allerdings hat man auch zu ihr keinen wirklichen Zugang. Gerne würde ich sagen, dass es an der Kürze des Buches lag, aber ich fürchte, wenn es länger gewesen wäre, hätte ich es nicht zu Ende lesen können. Allein schon die Charaktere wie gesagt, sind unheimlich leer und langweilig, jeder bekommt ein bis drei psychische Problemchen und dann werden sie irgendwie aufeinander losgelassen. Aus der Story an sich hätte man sicher etwas machen können, aber so ist die Geschichte eher nichts-sagend (vielleicht passend zu Martin, der ebenfalls einfach nichts-sagend ist), es ist nie spannend und man erlebt als Leser den "Thrill"-Effekt, den man bei einem Buch dieses Genres wohl erwarten darf, in keinster Weise.
Der Schreibstil der Autorin ist trotz allem recht fesselnd und einnehmend, allerdings macht das die Story nicht besser. Nur das Lesen wird angenehmer.
Es soll jetzt nicht der Eindruck entstehen, dass das Buch langweilig war. So würde ich das nicht zusammenfassen. Im Gegenteil: es lässt sich gut an einem Nachmittag zwischendurch lesen, man kommt flüssig durch und wird mehr oder weniger gut unterhalten dabei. Allerdings ist die Geschichte nichts Halbes und nichts Ganzes und für jemanden, der einen fetzigen Thriller erwartet hat, sicher eine Enttäuschung. Alles in allem gibt es 2 Wölkchen von mir.


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