15.05.2012

[Rezi] Günther Grass - Die Blechtrommel

Erscheinungsjahr:  1993 (Erstveröffentlichung 1959)
Genre: Roman
Seitenzahl: 784



Teaser:
Mein Pfleger kann also gar nicht mein Feind sein. Liebgewonnen habe ich ihn, erzähle dem Gucker hinter der Tür, sobald er mein Zimmer betritt, Begebenheiten aus meinem Leben, damit er mich trotz des ihn hindernden Guckloches kennenlernt.



Handlung
Als stationärer Patient einer Heil- und Pflegeanstalt resümiert der Protagonist Oskar seine Lebensgeschichte, indem er jeden Tag ein weiteres Stück davon ausfschreibt und sie so für die Nachwelt festhält. Sie beginnt damit, wie sich seine Großeltern mütterlicherseits kennlernen, wie seine Eltern zusammenkommen und wie er dann schließlich geboren wird und aufwächst. Oskar berichtet von allem, was er erlebt, gesehen und gedacht hat, von der Affäre seiner Mutter zu seinem - seiner Meinung nach - tatsächlichen Vater und vor allem von seiner Trommel. Im Alter von drei Jahren bekommt Oskar nämlich eine Blechtrommel geschenkt und von da an wird diese zu seinem ständigen Begleiter. An diesem Geburtstag beschließt er, der er eigenen Angaben zufolge da schon geistig völlig entwickelt ist, nicht mehr weiterzuwachsen und auf dem körperlichen Stand eines dreijährigen Kindes zu bleiben. Von dieser Position aus spielt er die meiste Zeit den kleinen, zurückgebliebenen Zwergenmenschen und vermeidet dadurch soziale Kontakte soweit wie möglich. Aus der Distanz des Beobachters beschreibt und beurteilt er das Verhalten der Menschen seiner Umgebung bis er mit seiner Geschichte an seinem 30. Geburtstag angekommen ist und ein neuer, ihm noch unbekannter Lebensabschnitt beginnt.

Meine Meinung
Oskars Geschichte spielt in den 1920er bis 1950er Jahren, also quasi in der Nachkriegs- undmittelbaren Vorkriegs-, Kriegs- und wieder Nachkriegsjahren. Von den zwei Weltkriegen bekommt der Leser aber bis auf ein paar kleine Kapitel nichts mit - weil Oskar vom Krieg nichts mitbekommt. Als sehr auf sich selbst fixierter Hauptcharakter ist er nicht nur in seiner Vermessenheit total unsympathisch, sondern auch absolut ignorant gegen alles, was sich außerhalb seines direkten Interessensgebiets befindet. Sofern man ihm - der er ja in der Psychatrie sitzt und dort seine Biografie niederschreibt - glauben kann, war er schon als Fötus viel verständiger für die Zusammenhänge der Welt als alle um ihn herum. Sein einziger Sinn im Leben ist es, auf seiner Blechtrommel zu spielen und jeder, der sich diesem Tun in den Weg stellt, bereut es bitter. Denn nicht nur ist er außergewöhnlich intelligent, sondern Oskar hat noch ein anderes Talent. Er kann gezielt Glasscheiben zersingen. Sobald ihm also jemand seine Trommel wegnehmen möchte - etwa die Lehrerin in der Schule - lässt er mal ganz locker deren Brillengläser platzen.
Viel Zeit verbringt Oskar auf Friedhöfen, weil im Laufe seines Lebens recht viele Menschen aus seinem Umfeld sterben. Dieser Platz passt auch irgendwie zu der Stimmung im ganzen Buch, die eher düster und trostlos ist.
Die Menschen, die Oskar trifft, beschreibt er in etwa so kurios, wie er selbst dem Leser vorkommt. Es ist mir die gesamten gut 700 Seiten nicht gelunge, einen Zugang zu diesem Buch zu bekommen. Oskar ist für mich keine Figur, mit der man sich gut identifizieren kann. Der Schreibstil von Günther Grass ist wirklich gewöhnungsbedürftig; sehr viele ineinander verschachtelte Sätze, ungewohnte und absurde Metaphern und Vergleiche und allgemein schwer zu lesen, obwohl an sich nicht schwer verständlich. Aber es kommt so vieles zusammen, dass ich teilweise nicht mehr durchsteigen konnte und ganze Passagen nur quergelesen habe. Es gibt auch viele wirklich sehr eklige Szenen, in denen ich auf den detailgenauen Schreibstil des Autors gerne verzichtet hätte.
Zusammengenommen muss ich leider sagen, dass dieses Buch nichts für mich war. Vielleicht habe ich es einfach zum falschen Zeitpunkt gelesen, oder ich bin nicht verständig oder gelehrt genug, um den literarischen Wert davon erkennen zu können. Mir jedenfalls ging Oskar sehr auf die Nerven und ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, was Herr Grass mir mit diesem Roman sagen wollte. Und das zuzugeben fällt mir wirklich nicht leicht, denn etwas muss das Buch ja an sich haben, damit es dem Autoren einen besonderen Platz in der deutschen Nachkriegsliteratur verschafft hat. Letztlich bleibt es mir nur, zwei Wölkchen zu vergeben und mir vorzunehmen, den Roman irgendwann später noch einmal zu lesen, um dann vielleicht das Besondere daran zu entdecken.


Kommentare:

  1. echt hübscher Blog! :)
    würde mich sher freuen wenn du bei mir vorbeischauen würdest und bei meinem über 760 Leser Gewinnspiel mitmachen würdest :)
    ttcybeauty.blogspot.com

    Liebste Grüße ♥

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  2. Ich habde das Buch auch nicht gelesen, vielleicht weil ich seit dem Gymnasium die Nase voll habe von Nachkriegsliteratur. Und was du so schreibst klingt auch nicht so, als ob ich dem Buch etwas abgewinnen könnte.

    Manchmal gibt es ja so Werke, da fragt man sich als unbedarfter Leser, was daran jetzt so toll sein soll, dass sich die ganzen Kritiker vor Begeisterung überschlagen. Ich habe z. B. eine Abneigung gegen "Der Vorleser" entwickelt, das ja auch hochgelobt wurde ob seiner tiefschürfenden Problemdarstellung. Ich fand es einfach nur nervig, wie schlink alle möglichen kontroversen Themen in ein Buch quetschen wollte, um ja ins Gespräch zu kommen. Beziehung Teenie zu Frau 40+? Check. Versteckter Analphabetismu? Check. Dramatische Nazi-Vergangenheit inkl. aufdeckendem Gerichtsprozess? Doppelcheck. *seufz*

    Zum Glück war das zu Schulzeiten und jetzt kann man mich nicht mehr zwingen, sowas zu Ende zu lesen. *g*

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  3. In der Oberstufe haben wir uns damals die Verfilmung der Blechtrommel angesehen und ich fand Oskar in dem Film einfach nur unsympathisch und nervig. Das war auch der Grund, warum ich das Buch bisher nicht gelesen habe. Deine Rezi zeigt mir, dass ich da wohl nichts verpasst habe. ;)

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