09.04.2012

# Rezensionen

[Rezi] Mahjgull Axelsson – Eis und Wasser, Wasser und Eis

Erscheinungsjahr: 2010
Originaltitel: Is och vatten, vatten och is
Genre: Erzählung
Seitenzahl: 542


Teaser:
Susannes Großmutter schenkte ihm jetzt seit acht Jahren kleine weiße und schwarze Deckchen, seit er ihr als Elfjähriger anvertraut hatte, dass das die Farben des Fußballvereins von Landskrona waren und dass er in diesem Verein spielen wollte, wenn er groß war. Sie waren so hässliche, dass es ihn schon fast gruselte.



Handlung
Eine Forschungsexpedition durch das Polarmeer. Die Oden, der Eisbrecher, der für die Tour ausgesucht wurde, transportiert die bunt durchmischte Gruppe aus alten und jungen Wissenschaftlern, der Besatzung und der Krimiautorin Susanne, die die Forschungsreise begleiten darf, um in der spröden Einsamkeit des Atlantiks Inspiration für ihr neues Buch zu finden. Doch sehr beängstigende Dinge geschehen in ihrer Kabine. Irgendjemand verschafft sich heimlich Zutritt und schmiert Sachen an ihren Spiegel, durchwühlt ihre Unterwäsche und dergleichen mehr. Logischerweise kann es nur ein anderes Mitglied der Reise sein, also jemand, mit dem sie täglich drei Mahlzeiten zu sich nimmt und ständig zusammen ist. Sie hat keine Idee, wer es sein könnte und verdächtigt demzufolge erstmal grundsätzlich jeden. Auf ihrem Weg zur Entlarvung des Täters muss sie sich intensiv mit verdrängten Details ihrer Vergangenheit auseinandersetzten, denn diese ist der Schlüsse.

Meine Meinung
Aufarbeitung der Vergangenheit ist das zentrale Thema dieses Romans. Der Rahmen dafür ist zwar die Geschichte mit dem Eindringling in Susannes Kabine, die sich zunächst wie ein Kriminalroman anhört, doch der Kernpunkt des Buches ist Susannes Verarbeitung eines, wie sie glaubte, endgültig verdrängten Ereignisses ihrer Jugend.
Susannes Familiengeschichte ist vielschichtig verstrickt und ihre Probleme entstanden weit vor ihrer Geburt. Ihre Mutter Inez und deren Zwillingsschwester Elsie wuchsen in chaotischen Verhältnissen und alles andere als geborgen auf. Elsie bekam einen unehelichen Sohn, das sie nicht wollte, deshalb als Funkerin zu See fuhr und Inez die Erziehung überließ. So wuchsen Björn und Susanne wie Geschwister auf, und Susanne spürte immer, dass Björn Inez' Liebling war. Als Björn dann mit seiner Band den Durchbruch schaffte und in Schweden ein gefeierter Superstar wurde, war Susanne endgültig abgemeldet. Und so beschreibt die Autorin, wie sich die Umstände, in die man hineingeboren wird, auf die gesamte Persönlichkeit eines Menschen auswirken und noch Generationen danach die Folgen davon zu tragen haben.
Die Handlung switcht nicht nur zwischen Gegenwart und Vergangenheit, sondern teilweise auch zwischen den Perspektiven verschiedener Personen. Deshalb weiß man anfangs noch gar nicht, worauf die Autorin hinaus und was sie einem eigentlich sagen will. Mit fiel der Einstieg nicht leicht, aber als sich dann Schritt für Schritt das Beziehungsknäul für mich entwirrt hat, konnte ich das Buch gar nicht mehr weglegen. Der Schreibstil ist einfühlsam und bildet die unterschiedlichen Atmosphären sehr gut nach; sei es die Gefühlswelt der einzelnen Charaktere oder einfach die Beschreibung der zauberhaften Eislandschaft des Polarmeers. Die Figuren sind glaubwürdig dargestellt und gut ausgearbeitet; allen voran natürlich Susanne, deren Gedanken und Gefühle die Identifikationspunkte der Geschichte sind. Aber auch die anderen Personen überzeugten mich auf ganzer Linie.
Das Ende dagegen hat mich nicht so richtig überzeugt; es hat dann doch alles ein bisschen zu glatt zusammengepasst – aber dafür ist es ja auch kein Krimi. Trotzdem gibt es ein bisschen Abzug, wie auch für den schwierigen Einstieg, sodass ich am Ende immernoch gute 3 Wölkchen vergebe.


1 Kommentar:

  1. du hast nen award von mir bekommen

    http://alisiaswonderworldofbooks.blogspot.de/2012/04/mein-1-award.html

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