05.08.2011

[Rezi] Jane Austen – Stolz und Vorurteil



Einen meiner absoluten Lieblingsklassiker möchte ich heute vorstellen: Stolz und Vorurteil von Jane Austen.
Ich denke, dass Gegenstand und Handlung des Buches soweit bekannt sind; werde aber trotzdem der Vollständigkeit halber (und falls jemandem weder Buch noch Film ein Begriff sein sollten) eine kleine Inhaltsangabe mitliefern.

Klapptext 
Drei, vier Familien auf dem Lande sind der Stoff, aus dem Jane Austen ihre an Witz und Ironie reichen Romane schuf. In „Stolz und Vorurteil“ geht es um die Bennets, die nicht weniger als fünf Töchter unter die Haube bringen müssen – wobei sich besonders die kluge und schöne Elizabeth als Probemfall erweist. Um Aristokratenstolz und bürgerliches Vorurteil dreht sich ein wild wirbelndes Heiratskarussell, das nach vielen Komplikationen schließlich beim Happy End zum Stehen kommt.

Inhalt in aller Kürze
Elizabeth ist die zweitälteste Tochter der Familie Bennet, die aus den Eltern und insgesamt fünf Töchtern besteht. Mrs. Bennets einzige Lebensaufgabe besteht darin, jede ihrer Töchter möglichst gut zu verheiraten. Als dann der äußerst wohlhabende Mr. Bingley ein Anwesen in der Nachbarschaft pachtet, scheinen ihre Ambitionen auf eine günstige Ehe zwischen diesem und ihrer ältesten Tochter Jane erfolgreich. Während Bingley also ein hohes Ansehen genießt und sich äußerster Beliebtheit erfreut, machen sich seine Begleiter gleichermaßen unbeliebt. Vor allem sein enger Freund Mr. Darcy fällt allgemein durch seinen angeblichen Hochmut unangenehm auf.
Nachdem Mr. Bingley wegen einiger Geschäftstermine nach London abgereist ist, lange nichts mehr von sich hören lässt und seine Schwester verschiedene Andeutungen bezüglich einer anstehenden Hochzeit ihres Bruders mit einer anderen Dame macht, stürzt Jane in tiefen Kummer.
Obwohl das Augenmerk von Mrs. Bennet auf Janes Verbindung mit Bingley liegt, bekommt Elizabeht als erste einen Heiratsantrag – von Mr. Collins, einem Verwandten. Diesen lehnt sie jedoch ab, und so heiraten weder die älteste noch die zweitälteste Schwester zuerst.

Meine Meinung
Am Anfang war ich etwas überfordert mit dem altertümlichen Schreibstil. Die verschachtelten Sätze, die ausgewählten Worte, das ist alles erstmal ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Aber schon auf den ersten Seiten bereitet der Stil den Weg in das England des 19. Jahrhunderts: Man befindet sich in gehobener Gesellschaft und adeligem Umfeld oder auf dem Land, wo ein ganz anderer Umgangston herrscht.
Die Story an sich dreht sich hauptsächlich ums Heiraten. Wer mit wem und warum? Was ist eine günstige Hochzeit? Welche Folgen – gesellschaftlich und finanziell hat diese oder jene Verbindung. Aber was hier so trocken klingt, wird unheimlich herzlich und liebevoll geschildert. Manchmal ein bisschen kitschig, aber einfühlsam die Gefühle der Protagonisten darstellend.
Und nicht nur die Gefühle, um die sich aber natürlich viel dreht, werden anschaulich und schön beschrieben, sondern auch die Charaktereigenschaften der Figuren. Mein Liebling ist natürlich Mr. Darcy, der nach dem Motto „harte Schale – weicher Kern“ der ganzen Story einige entscheidende Wendungen gibt. Die Dialoge zwischen ihm und Elizabeth geben dem ganzen noch eine ordentliche Menge Pepp. Sowieso finde ich ihren und auch den Charakter ihrer Schwester Jane am beeindruckensten für die damaligen Verhältnisse und vor allem in Anbetracht ihrer Erziehung: selbstbewusst, emanzipiert und außerordentlich verständig.
Wie der Titel schon erahnen lässt, wird die Handlung getragen von zwei Eigenschaften einiger Figuren: vom Stolz und vom Vorurteil. Betrachten wir die Figurenkonstellation mal zweipolig, also die Familie Bennet und die ländliche Gesellschaft auf der einen Seite und Mr. Bingley, Mr. Darcy und ihre Gefolgschaft auf der anderen Seite, muss man sagen, dass beiderseits sowohl die eine als auch die andere Eigenschaft nicht gering vorhanden ist. Elizabeth ist natürlich an sich eine ungemein stolze Person, was man zum Beispiel daran erkennen kann, dass sie Heiratsanträge von zwei Männern ablehnt, was zur damaligen Zeit nahezu unvorstellbar war. Auch fühlt sie sich von Mr. Darcy oftmals in ihrem Stolz verletzt. Von ihren vorschnellen Urteilen bezüglich diverser Charakterstärken und -schwächen einiger anderer Personen werden die Verwicklungen noch verzwickter.
Auf der anderen Seite ist dann der Stolz des Adels und der höheren Gesellschaft, die Bingley und Darcy eigentlich Beziehungen zu den niedriger gestellten Bennets untersagen. Mit hinein spielen aus dieser Perspektive natürlich die Vorurteile gegenüber Menschen aus anderen Gesellschaftsschichten.
Okay, vielleicht bin ich etwas zu tief in eine Interpretation abgeschweift. Sorry! :P
Was ich eigentlich sagen will ist, dass ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen kann. Die Dialoge sind spritzig, die Story hat alles was man sich wünscht – Verwirrungen, Verzwickungen, Intrigen und viel Gefühl – der Stil ist zwar am Anfang schwierig, aber man findet wirklich Gefallen daran und im ganzen Buch steckt so viel Witz, Tiefe und Feingefühl für die Menschen und ihre Empfindungen, dass man es einfach mal gelesen haben sollte.

Kommentare:

  1. Bisher habe ich nur den Film gesehen, aber den finde ich auch schon sehr berührend! Das Buch möchte ich dennoch auch irgendwann mal noch lesen :) LG

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  2. Den Film finde ich auch total toll. Eine der wenigen Buchverfilmungen, die mir wirklich gefallen ;D

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  3. Das Buch habe ich auch gelesen. Ich fand es wirklich gut und auch den Film dazu kann ich mir immer wieder anschauen. :)

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